Donnerstag, 26. Januar 2012

Alchemisten, Würfelglück und flotte Dreier

(teo) Es ist im Leben ja immer gut, zumal nach turbulenten Zeiten, wenn wieder so etwas wie, nun ja, Normalität, ach, sagen wir es ruhig: Alltag einkehrt. Zumindest in der Sky-Zentrale im oberbayrischen Unterföhring hat das am 19. Spieltag der Fußball-Bundesliga bestens geklappt. Völlig losgelöst von Würfeln, Losen und Augenbinden haben die versierten Macher des deutschen Bezahlfernsehens schon mit der Terminierung des Topspiels am Freitagabend wieder zur bestechenden Normalform zurückgefunden: Hannover 96 gegen den 1 FC Nürnberg. 


"Grau ist alle Theorie.
Maßgeblich ist auf'm Platz."
(Handy-Fotto (c): Thomas Ottensmann)

Ein Spiel wie ein Gänseschauer. El Classico in Niedersachsen. Der gemeine Fußball-Fan in Ekstase. Ein Spiel, das in weit über 647 Länder übertragen wird, die Werbepreise übersteigen das Super-Bowl-Niveau um das 83-fache. Ein bisschen schade, dass keine Tore fallen, aber das ist ja Gottseidank noch nicht planbar. Zumal der Kick in Asien seltsamerweise nur auf den wenigsten Wettzetteln vermerkt ist. Aber das ist ja manchmal bei Zweitligaspielen so. 96 - FCN 0:0


Zur Bundesliga-Anstoßzeit am Samstag um 15Uhr30 freut sich dann Werder Bremen auf das erste Tor der Rückrunde. Nach einem prickelnden 0:0 in Kaiserslautern will Werder die Gunst der Stunde nutzen und weiter zum Spitzenquartett aufschließen. Sieben Punkte sind ja nix! Gut, in einem Spiel jetzt schlecht aufzuholen, aber wer weiß? Schönes Stichwort. Ob Robin Dutt, hochgelobter Konzepttrainer aus Freiburg da helfen kann, ist nicht überliefert. Zumal er am Rhein derzeit in der Schmonzette "Ratlos in Leverkusen" zu sehen ist. 


Nach übereinstimmenden Medienberichten vom Donnerstag ist er aber trotz der - für Leverkusener Verhältnisse - geradezu überbordenden Unzufriedenheit sowohl von Verantwortlichen als auch Fans, immer noch Übungsleiter der Bayer-Werke. Seine Elf liegt lustigerweise nur acht Punkte hinter Bayern München und sieben Punkte hinter einem Quali-Platz für die große Gelddruckliga. Voll im Soll, sagen Sportreporter gerne und meinen das dann immer positiv. Obwohl der Normalbürger ja in der Regel lieber Haben auf dem Konto sieht. Wo war ich? Ach ja: Werder - Bayer 04 2:0


Wenn in der Hauptstadt Hertha BSC ruft, kommen die Berliner in Scharen. Naja, zumindest war das in der letzten Aufstiegssaison so. Da waren dann auch schon mal 70.000 bei einem zünftigen Zweitligakick. Kann man ja auch mal machen. In der Ersten Liga ist aber mittlerweile alles anders. Markus Babbel ist weg - und mit ihm das Bayern-Gen. Michael Skibbe ist da und mit ihm immer noch kein Völler-Esprit. Nun geht es gegen den Hamburger SV und seinen nach dem letzten Sonntag immer klopp-unähnlicheren Trainer. Der letztens zum ersten Mal verlor, aber mit dem HSV nichtsdestoweniger immer noch Allmachtsphantasien hegt. Jetzt kommt der bei Leverkusen längst ausgemusterte Ex-Nationalkeeper Rene Adler zum HSV und schon scheint wieder recht eitel die Sonne in der Stadt der sehr Reichen und nicht immer so richtig Schönen. Berlin gegen Hamburg. Größte gegen zweitgrößte Stadt. Hm. Eigentlich ein klares Topspiel. Seltsam. Hertha - HSV 1:0


Huch, und schon wieder ein Zweitligaspiel im Bundesliga-Plan: Augsburg gegen Kaiserslautern. 0:0


Der Deutsche Meister (nur der BVB!) hat sich zum Rückrundenstart ja mal wieder ziemlich reingesteigert. Spielfreude, Torhunger, Tempo, Rasse, Klasse. Sah jetzt nicht ganz so schlecht aus, dieses 5:1 im fremden Stadion. Nun kommt der alte Rivale aus dem Kraichgau ins ehemalige Westfalenstadion, das längst wie eine versicherte Grünfläche heißt - und wir dürfen gespannt sein, welche Störsender die Südtribüne diesmal auffährt. Und da im Ruhrgebiet seit dem Ende der Kohle ja erneuerbare Energien bevorzugt werden, wird alles mit Stimmgewalt befeuert. Die SAP-Werkself dürfte jedenfalls - wie eigentlich zuletzt immer - herzlich und warm empfangen werden. Immer wichtig, wenn die Chemie auf dem Platz stimmt. BVB - 1899 1:1


Der FC Bayern München verlor zum bereits zweiten Mal in dieser 49. Spielzeit der obersten deutschen Spielklasse gegen Borussia Mönchengladbach und zweifelt seitdem an allem, was zuvor heilig war. Doch nicht forever Number One? Was ist eigentlich mit Manuel Neuer los? Warum lassen einen die Gegner trotz fast 70%igem Ballbesitz nicht mehr einfach gewinnen? Warum fallen aus zwei Torchancen denn bitteschön nicht vier Tore? Und vor allem: Was ist eigentlich mit Manuel Neuer los? Der Tabellenführer braucht nach solchen Niederlagen ja häufig ein willfähriges Opfer. Und die Sky-Jungs sind Vollprofis. Der VfL Wolfsburg kommt mit Ex-Trainer Felix Magath (das ist der mit dem dicken Bündel großer Scheine in der Brusttasche) und wird Abbitte leisten müssen. Sos Fusball. FCB - VfL 5:0


Am Samstag um 18Uhr30 stimmen sich die Fans des 1.FC Köln dann schon mal so langsam auf den Höhepunkt der närrischen Session ein. "Viva Colonia", "Kölle, Do bes e Jeföhl" und "Ich möch zo Foß no Kölle jon" (Solo von Lukas Podolski geplant). Wie sagte mal ein rotnasiger Ex-Trainer sinngemäß: 'Die Stimmung ist immer super im Kölner Stadion. Nur die Heimmannschaft stört oft'. Und manchmal auch das Gästeteam. Diesmal kommen die knappen Knappen mit ihren gasbetriebenen Fahrzeugen aus dem Revier und wollen auch in Köln an einem uralten Menscheitstraum arbeiten: aus vier Minuten 365 Tage zu machen. Im Besitz einer nicht wirklich hübschen Salatschüssel. Aber das ist so ähnlich wie bei den Alchemisten: Da wird ja auch bis heute noch nach der Formel für Gold gesucht. Macht aber nix. Denn ein Ticket für die große Gelddruckliga geht ja schon mal in die gleiche Richtung. Kölle - Schalke 1:3


Auch am Sonntag lassen sich die Fußball-Fachleute der Sternsinger aus Unterföhring nicht lumpen und beweisen, dass sie bestens aus Trainingslager und Winterpause gekommen sind. 1. FSV Mainz 05 gegen SC Freiburg heißt das Topspiel um 15Uhr30. Platz 15 gegen Platz 17, Konzepttrainer gegen Konzepttrainer, 18 Punkte gegen 16 Punkte. Es geht ums Ganze. Um den flotten Dreier. Hochspannung garantiert. 05 - SCF 3:0


VfB Stuttgart - Borussia Mönchengladbach, dieses Spiel zum Abschluss des 18. Spieltages muss als kleiner Ausreißer im Rahmen der Toleranzabweichung bei der Sky-Programmplanung  einfach mal durchgehen. Der VfB ist mit 22 Punkten endlich wieder da angekommen, wo er schon so oft war: In der Bedeutungslosigkeit der Tabelle. Aber: Es sind nur fünf Zähler bis zum Relegationsplatz. Aber schon sieben bis zum letztmöglichen Quali-Platz für die kleine Gelddruckliga. Mit Gladbach kommt nun einer der Lieblingsgegner der Vergangenheit. Aber bei der
Borussia wirkt ja sogar die jüngere Vergangenheit, als läge sie unter zentimeterdicken Staubschichten im Nebel der prähistorischen Fußball-Geschichte. Gladbach verlor in dieser Hurra-Saison nur gegen sogenannte Kleine, die es ja - wir wissen das alle - heutzutage gar nicht mehr gibt. Nürnberg, Freiburg, Augsburg, Schalke - immer 0:1, immer unnötig. Hm. Muss das jetzt sein? VfB - Borussia 1:0

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