Freitag, 21. Februar 2014

Springflut für den Strohhalmmann

(teo) Vor dem 22. Spieltag der Fußball-Bundesliga schauen wir gespannt in den Hohen Norden, wo am Samstag um 15Uhr30 die schlimmste Springflut seit den Sechzgern angekündigt ist. Und die spielen ja schon sehr lange in der 2. Liga. Der Hamburger SV also im übelsten Zustand seit den rosa Trikots. Ein NDR-Radioreporter sagte nach der erstaunlichen 2:4-Niederlage bei Tasmania Braunschweig: "Der HSV noch mehr am Boden." 


Der schönste Fußballplatz der Welt.

(Foto (c): Thomas Ottensmann)

Stelle ich mir gerade vor. Ich liege schon am Boden. Schon lange. Die Nasenspitze im Kreidestaub des Sechzehners. Knie, Becken, Brust berühren den grünen Teppich wie sonst nur beim Yoga. Und dann? Kommt eine gelbe Dampfwalze mit nem Hirsch auf der Motorhaube und überrollt mich. Dann bin ich "noch mehr am Boden", am Bodener quasi. Genau genommen müsste es nach der Begegnung mit einer Dampfwalze dann ja sogar "im Boden" heißen. Doch selbst diese Niederlage mit zwei Toren Unterschied hatten wir hier ja vorhergesagt (vgl. "Ein Schwabe macht noch keinen Sommer" vom 14.02.14). 

So, schwarzer Vogel, runter von meiner Schulter. In der Glaskugel sahen wir letztens ja auch Felix Magath nach Hamburg fahren, aber der W-LAN-Empfang war schlecht und der Stream ruckelig. Deswegen waren wir nicht sicher. War dann zwar wirklich Magath, der da fuhr, aber der lebt ja in Hamburg und fährt deshalb auch manchmal in Hamburg mit seinem Auto. 

Wir bleiben einfach in Hamburg. Schöne Stadt. Geiler Fußballklub. Leider müssen die erst wieder aufsteigen. Aber das Millerntor ist wirklich ein Schmuckkästchen geworden. Ach ja: Uwe Seeler hat sich auch gemeldet. Was selten ein gutes Zeichen ist. Wie sagte er zuletzt zu Mehmet Scholl ? "Das ist alles nicht ganz einfach. Im Gegenteil: Es ist sogar sehr schwer." Wenn "nicht ganz einfach" in Hamburg mittlerweile das Gegenteil von "sehr schwer" ist, dann lassen sich womöglich auch die Leistungszerrungen der HSV-Kicker erklären. 

Jetzt soll es also der Strohhalmmann aus Hannover richten. Der HSV hat Mirko Slomka verpflichtet. Um nicht abzusteigen. Mirko Slomka wurde ja gerade erst in Hannover entlassen. Um nicht abzusteigen. Tricky, woll?! Aber es handelt sich schließlich um Fußball und deswegen geht es ja gar nicht um Vernunft und Ratio. Es geht nicht um Verstand, denn Verstand kommt ja von Verstehen. Und das muss man nicht. Nur soviel: Dieser Trainerwechsel kommt nur sehr bedingt von Verstand. 

Apropos: Oliver Kreuzer sprach nach der Vertragsunterzeichnung mit dem neuen Trainer von der Hoffnung, dass Mirko Slomka die Mannschaft jetzt erreiche. Als ob sie in Spanien weile, Slomka aber in Eppendorf einen schlechten Handyempfang habe. Normalerweise heißt es im Handbuch "Managerdeutsch für Berufsanfänger" aber sowieso "NOCH" erreiche. Zitat aus dem Ratgeber (Seite 36 im Kapitel "Krise/Trainerfrage"): "Prüfen, ob der Trainer die Mannschaft NOCH erreicht. Falls nein: Feuern! Aber im Interview nach dem Spiel sagen, dass du hinter dem Trainer stehst und noch gar nicht anderen gesprochen hast und dass die Bild-Zeitung lügt. Und du niemals in Winsen an der Luhe im Autobahnrestaurant mit XYZ gewesen bist, weil dir der Kaffee da viel zu teuer und außerdem lau sei. Weil Lulli ja schließlich Euer Trainer ist. Und Lulli noch einen gültigen Vertrag bis 2019 hat. Dann den Neuen anrufen und zusagen. Dann eine Nacht schlafen und morgens eine PK für mittags ansetzen. Dort dann sagen, dass der alte Trainer den Vorstand um seine Beurlaubung gebeten habe, weil er mit ein wenig Abstand glaube, dass ein Neuanfang besser sei, dem er aber nicht im Wege stehen wolle. An diesen Wortlaut die Abfindung von XYZ knüpfen und dann ab dafür. Aber bedenke: Neue Besen kehren zwar nicht immer gut, sind aber wenigstens besonders teuer." 

Alles nicht ganz einfach, da oben in Hamburch? Hat ja auch niemand behauptet. Vielleicht ist es aber im Gegenteil auch nur sehr schwer.

Schalke 04 - Mainz 05 2:1
Borussia Mönchengladbach - 1899 Hoffenheim 1:0
VfB Stuttgart - Hertha BSC 1:4
Eintracht Braunschweig - Nürnberg 0:3 
SC Freiburg - FC Augsburg 1:2 
Hamburger SV - Borussia Dortmund 2:5
Wolfsburg - Leverkusen 2:2
Eintracht Frankfurt - Werder Bremen 2:0 
Hannover 96 - Bayern München 0:2

Montag, 17. Februar 2014

Am Bodener mit Uwe Seeler

(teo) War ja irgendwie nix los am 21. Spieltag der Fußball-Bundesliga. Dortmund und München gewinnen hoch. Leverkusen vergeigt erneut zuhause. Sogar gegen Schalke. Gladbach kann keine Tore mehr schießen und wird entgegen gesicherter Prognosen - wenn der Lauf so anhält und es nach jedem Spieltag einen Platz weiter runtergeht, letztendlich Neunzehnter. Auch ein schöner neuer Rekord. Und endlich mal einer, den nicht die Bayern halten.


Mit solchen Fußballschuhen
kann man ja nur vergeigen.


(Foto (c): Thomas Ottensmann)

Weil es so ein ereignisarmer Spieltag war, wenden wir uns fixefaxe und schnurstracks dem Hamburger SV zu. Ein Radioreporter sagte nach der erstaunlichen 2:4-Niederlage trotz einer frühen 1:0-Führung bei Tasmania Braunschweig: "Der HSV jetzt noch mehr am Boden". Stelle man sich mal vor. Ich liege also schon am Boden. Die Nasenspitze im Kreidestaub des Sechzehners. Knie, Becken, Brust berühren den grünen Teppich wie weiland beim Yoga. Und dann? Kommt eine Dampfwalze mit nem kapitalen Zwölfender auf dem Kanarientrikot und überrollt mich, dass ich nicht mehr weiß, ob Jogi Löw wirklich Heiko Westermann jemals in die Nationalelf berufen hat und vor allem warum überhaupt. 

So war es wohl gemeint. Dann bin ich "noch mehr am Boden", quasi am Bodener. Genau genommen müsste es nach der Begegnung mit einer Aufsteigerwalze dann ja sogar "im Boden" heißen. Doch selbst diese Niederlage mit zwei Toren Unterschied hatten wir ja ausführlichst prognostiziert (vgl. "Ein Schwabe macht noch keinen Sommer" vom 14.02.14), also... gähn. So, schwarzer Vogel, verlass mal meine Schulter. In der Glaskugel sahen wir übrigens wie alle auch zunächst Felix Magath für Bert van Marwijk (Attest wegen Heimweh) nach Hamburg fahren, aber unser W-LAN- Empfang war wackelig. Magath war ledigilich zum Flughafen der Hansestadt gedüst, um lieber den FC Fulham kaputtzutransferieren. Wäre doch gelacht. Und: Viel Spaß, Lewis. Jeder Mensch braucht halt eine Aufgabe. Und den ganzen Tag auf Facebook zu verdaddeln und Fußball-Manager 14 zu zocken, das konnte es für den glücklichen Wolfgang dann doch nicht sein. 

Wie sagte Uwe Seeler zuletzt zwischen zwei heruntergeladenen Klingeltönen? "Das ist alles nicht ganz einfach. Im Gegenteil: Es ist sogar sehr schwer." Wenn "nicht einfach" in Hamburg mittlerweile das Gegenteil von "sehr schwer" ist, dann lassen sich womöglich auch die Leistungszerrungen der gleichnamigen -träger des HSV erklären. Der HSV hat schließlich lieber Mirko Slomka verpflichtet, um nicht abzusteigen. Mirko Slomka wurde ja ein paar Tage zuvor in Hannover entlassen, weil der Klub lieber nicht absteigen wollte. Nicht ganz einfach? Hat ja auch niemand behauptet. Nur soviel: Das wird sehr schwer.

Donnerstag, 13. Februar 2014

Ein Schwabe macht noch keinen Sommer

(teo) Die Bayern gewinnen jedes Spiel. Außer gegen Freiburg und Leverkusen. Macht 98 Punkte. So. Haben wir auch das final abgehandelt. Glückwunsch, Balkonfeier, ab zum Finale nach Berlin, Glückwunsch, Balkonfeier, ab zum Finale ins Estádio da Luz, Schleifchen um den Henkelpott, Glückwunsch, Balkonfeier, fertig. Die vierzehn deutschen bayrischen Nationalspieler reisen aus Lissabon direkt weiter nach Südtirol ins Trainingslager für die WM-Vorbereitung. Bis zum 3. Juni. Dann einmal kurz nach Hause. Pipi machen, Zähneputzen, kurz in die Heia. Fertigmachen zum Wecken, ab nach Brasilien. Dort dann siebenmal wachwerden, dann Schleifchen um die jubelnden Männer mit Globus in Gold, Glückwunsch, Balkonfeier und Ermüdungsbruch in der Wirbelsäule.


Einfach mal Bilanz ziehen.

(Foto (c): Thomas Ottensmann)

Wir Faulenzer können uns derweil endlich mal wieder auf die spannendste Bundesliga aller Zeiten konzentrieren. Die letzten 14 Spiele. Es britzelt. Obwohl... -  gähn. Auch im Feld der 17 Jägerchen ist alles längst gelaufen. Deswegen an dieser Stelle schon mal die Bilanz der spannendsten Saison der "gefährlichsten Liga der Welt" (Markus Gisdol). 

Der TSV Bayer 04 hat sich durch das Pokal-Aus etwas Luft verschafft. Die fiese Dreifachbelastung war einfach zu viel für die junge Mannschaft der finnischen Nordmanntanne. Jetzt also nur noch zwei Spiele in der Schampusliga, wo selbst Niederlagen so gut bezahlt werden, dass man dem VfL Bochum locker das Internat leer kaufen kann, um sich dann wieder dem Wesentlichen zu widmen und so das höchste der Gefühle und damit auch zeitgleich das Saisonziel zu erreichen. Die Werkself (eingetragene Handelsmarke) verdient sich endlich mal wieder den hochverdienten Titel Vizekusen (eingetragene Handelsmarke). Lediglich 31 Punkte hinter der "schwarzen Bestie" (As). 

Und sonst so? Dortmund und Schalke spielen ebenfalls da, wo sie irgendwie immer spielen: in der Königsklasse. Müssen beide ja auch. Der BVB um seine VIP-Logen weiterhin zu horrenden Konditionen zu vermieten und der vorgeblich heißeste Verein Europas zu bleiben. Die knappen Knappen, um ihren Schuldenstand unter die historische 150-Millionen-Euro-Grenze zu drücken. Dabei gäbe es einen deutlich einfacheren Weg. Julian Draxler verticken. Aber das eine schließt das andere ja nicht aus. Schalke ballert die gesamten 70 Millionen Überschuss direkt wieder raus. Um mit Trainer Favre 14/15 endlich wieder einen Titel zu holen. Jens Keller wurde ja entlassen. Weil er das Saisonziel, Vierter zu werden, verpasste und die Mannschaft nur auf Platz 3 führte. 

Dass der BVB wegen der minimal schlechteren Tordifferenz (+21) zunächst in die Qualispiele zur Champagnerklasse muss, sieht Jürgen Klopp derweil ganz gelassen: "Gibt's halt eine Woche Ibiza weniger. Na und?". Gelassenheit, die nicht verblüffen darf: Das Solarium in seiner Kellersauna leuchtet ja ohnehin das ganze Jahr wie eine Autobahnlampe in Belgien.

Den Meister von 2009 hatten nur ganz Wenige auf dem berühmten Tippzettel, als es vor der Langweilersaison um die Plätze in der Fantaliga ging. Aber der VfL Wolfsburg wäre ja nicht der VfL Wolfsburg, wäre er nicht in der Lage, eine ohnehin mit diversen Werksmillionen zusammengepoppnietetes Starensemble noch mal fixefaxe um einen begehrten Jungstar zu bereichern - und gleichzeitig seine launische, aber hochbegabte Teilzeit-Diva durch das auf Kipp geöffnete Transferfenster nach Italien zu verscherbeln. Diego ist der Kopf der Mannschaft, hieß es früher, also Anfang Januar. Oder war es das Herz? Eventuell das Hirn? Hm. Manchmal war Diego einfach nur die Milz - oder eine Niere.  Aber bleibt alles anders. Denn Geld schießt Tore.

Kein Geld allerdings auch. Und wie. Die Jungs mit den lästigen Fäden an Kopf, Beinen und den stollenbeschuhten Klumpfüßen hatten nur wenige auf dem berühmten Tippzettel, als es vor der Valiumsaison um die Plätze in der Fantaliga ging. Obwohl auch im dritten Jahr Bundesliga immer noch niemand weiß, ob Augsburg nun von bayrischen Schwaben oder schwäbischen Bayern besiedelt ist. Gibt es eventuell sogar zwei eigenständige Stadtteile, in denen auf der südlichen Seite des Lech altmodische Bayern und auf der nördlichen moderne Schwaben nisten? Oder umgekehrt? Man weiß es nicht. Eigentlich auch wurscht. Denn ein Schwabe macht bekanntlich noch keinen Sommer und die Beteiligung an den Spielen im europäischen Fußball schon mal Abstiegsangst, zumindest für einen kleineren Klub. Markus Weinzierl sollte sich jetzt schon die Handynummer von Christian Streich auf Kurzwahl legen. Nächstes Jahr wird es nämlich eng in der Liga. 

So kann die Mannschaft aus der einzigen deutschen Stadt mit eigenem gesetzlichen Feiertag zwar vor dem Anstoß anstatt des unbekannten Wimpels die begehrten Jim-Knopf-Marionetten jetzt auch in Bordeaux, Manchester, Fiorentina und Brügge verteilen, verliert dafür aber die ersten drei Spiele in der Liga gegen Kaiserslautern, Hannover und Köln deutlich. Tja. No Risk, No Fun. So wird der FCA am 8. August, dem Augsburger Hohen Friedensfest, zwar arbeitsfrei haben und ausgelassen feiern, aber 14 Tage später mit dem Heulen und Zähneknirschen beginnen. Wegen des K.o. im DFB-Pokal bei Jahn Regensburg.  

Gladbach wird Siebter. Knapp vor Hertha und Mainz. Wegen der besseren Tordifferenz. Bremen muss in die Relegation, der HSV und Braunschweig semmeln direkt ab. Braunschweig knapp und daramatisch nur wegen der schlechteren Tordifferenz. Der HSV hingegen klar und hochverdient. Eine solches Attribut heimsten die Spieler mit der blau-weiß-schwarzen Raute in dieser Saison eher unoft ein. Die schlechteste Leistung seit Vereinsgründung führt nun zur Sprengung der Gründungsuhr. Ach, Zeitmessen ist ja auch so eine überbewertete Nebenbeschäftigung. Wie wäre es stattdessen mal mit solider Vereinsführung, fachlicher Kompetenz und ein bisschen professionellem Fußball? 

Was vergessen? Ach ja: Nürnberg wird übrigens Zwölfter. Und Gertjan Verbeek lässt sich die Schädel scheren. Ein Gewinn für die Liga! Sonst noch? Hm. Nein, das war sie, die 51. Spielzeit der Fußball-Bundesliga. Wir geben zurück in die angeschlossen Funkhäuser. Hm? Wie jetzt, das sind gar keine Achtzehn? Dein Klub nicht dabei? Fehlt in der Bilanz? Tja. War wohl keine besonders herausragende Saison. 

Mainz 05 - Hannover 96 1:1
Borussia Dortmund - Eintracht Frankfurt 3:1
Bayern München - SC Freiburg 1:1
Werder Bremen - Borussia Mönchengladbach 0:4
1899 Hoffenheim - VfB Stuttgart 4:3
Eintracht Braunschweig - Hamburger SV 2:0
Bayer 04 Leverkusen - Schalke 04 1:3
FC Augsburg - 1. FC Nürnberg 2:2
Hertha BSC - VfL Wolfsburg 1:1

Montag, 10. Februar 2014

Wegen der besseren Tordifferenz

(teo) Jim Knopf fährt mit dem Volkswagen-Multivan durch Europa. Im Fonds: Emma, Erwin, Brian und Berni. Die Bayern gewinnen jedes Spiel. Außer gegen Freiburg und Leverkusen. Macht 94 Punkte am Saisonschluss. So. Jetzt haben wir das auch abgehandelt. Und können uns in den letzten 14 Spielen auf die Bundesliga konzentrieren. Obwohl... - auch da ist alles längst gelaufen. 



(Foto (c): Thomas Ottensmann)

Der TSV Bayer 04 ist durch und verdient sich wieder den handelsmarkengeschützten Titel Vizekusen. Dortmund und Schalke spielen in der Champagnerliga. Augsburg und Wolfsburg spielen Fantaliga. Gladbach wird Siebter. Knapp vor Hertha und Mainz. Wegen der besseren Tordifferenz. Bremen muss in die Relegation, der HSV und Braunschweig semmeln direkt ab. Nürnberg wird Zwölfter.