Sonntag, 22. Mai 2011

Philosophen im Trainingsanzug XIII

„Endlich mal ein Spieler, der seinen Vertrag gelesen hat.“
(Schalkes Ex-Trainer Felix Magath über den 17-jährigen Julian Draxler, der Interview-Anfragen nach seinem Debüt bei den Profis mit dem Hinweis verweigert hatte, dass er nichts sagen dürfe.)
 (Foto gefunden auf und verlinkt mit: upload.wikimedia.org/)

Freitag, 20. Mai 2011

Lachende Zebras und tätowierende Affen

(hai) Kein Zweifel: Pokalsieger 2011 wird natürlich der FC Schalke 04. Der Erstligist. Der Champions-League-Halbfinalist. Eine der vier besten Mannschaften in Europa. Pokalsieger 2011 wird also der FC Schalke 04. Wer  sonst? Die Knappen haben ja nicht umsonst schon die Festplätze bekannt gegeben, auf denen der fünfte Pokalsieg in Gelsenkirchen gefeiert wird. Und ein Sponsor verspricht jedem Neukunden für diesen Erfolg ein paar Promille mehr - an Zinsen auf dem Tagesgeldkonto. Und ein großformatiges Poster von der Pokalübergabe an Kapitän Manuel Neuer dazu. Kein Zweifel: Pokalsieger 2011 wird selbstverständlich der FC Schalke 04.

Der Verein ist hoch verschuldet, muss mit Nationalkeeper Manuel Neuer den letzten von zwei verbliebenen Profis an den FC Bayern München abtreten. Weil er das Geld braucht. Und weil sich der lediglich durch die von diesem Torwart festgehaltenen Punkte in der Bundesliga verbleibende Klub nur so überhaupt noch ins Ziel retten kann. Das bekanntlich Cup der Verlierer heißt und für Schalke so was wie der finanzielle Rettungsanker ist. Kein Zweifel: Pokalsieger 2011 wird natürlich der FC Schalke 04.

Durch das gewonnene Finale ist dann endlich mal wieder für Feierstimmung am Schalker Markt gesorgt. Gab es ja in dieser völlig missratenen Liga-Saison eher selten. Schließlich waren nur die Pokalspiele wirkliche Festtage für die Fans - zumindest bis Manchester United kam. Was soll also anbrennen? Pokalsieger 2011 wird auf jeden Fall der FC Schalke 04. Wer sonst? Ein Zweitligist? Wer? MSV Duisburg? Dreimal im Pokal-Finale, aber nie gewonnen? Tabellenachter in der abgelaufenen Zweitligasaison? Das wird der Tabellenvierzehnte der ersten Liga ja wohl mit links machen. Um auf den Plätzen zu feiern, die Poster zu verteilen und – nicht ganz unwichtig – nicht direkt pleite zu gehen.

In der nächsten Saison, wenn nur noch ein einziger (Muster-)Profi im Kader der Königsblauen steht, benötigen die Knappen ja ganz dringend frisches Geld. Damit der letzte Profi bleibt – er ist übrigens Spanier und hört auf den Namen Raúl González Blanco. Und damit er vielleicht sogar seinen Vertrag über 2012 hinaus verlängert. Und nicht wieder geht, weil Schalke außer Mittelmaß in der Bundesliga in Europa nichts mehr zustande bringt.

Pokalsieger 2011 wird definitiv der FC Schalke 04. Muss ja. Außer, der Zweitligist schlüge den Erstligisten. Und würde Pokalsieger werden. Und spielte dann in der Europa League. Aber sowas kommt nicht vor. Gibt\'s  ja nicht. Vielleicht sollte Schalkes Trainer Ralf Rangnick mal Jürgen Gelsdorf anrufen. Oder Michael Lorkowski. Beide waren am 23. Mai 1992 als Zéitzeugen im Trainingsanzug dabei, als sich der Zweitligist Hannover 96 gegen den Erstligisten Borussia Mönchengladbach durchsetzte und Deutschland als Pokalsieger im Europapokal vertrat.

Pokalsieger 2011 wird also der FC Schalke 04. Dieses eine Spiel, in dem – notfalls nach Verlängerung und Elfmeterschießen - eine Entscheidung fallen muss, wird man noch über die Bühne bringen. Ist ja Pokal! Nicht Bundesliga! Warum sollte Schalke da verlieren? Wer sich in der Liga so gehen lässt und wer die letzten Spiele in Folge so sang-, klang- und lustlos verliert und wer dabei auch noch die günstige Gelegenheit verstreichen lässt, sich ohne Druck mit Erfolgen für das Finale von Berlin einzuspielen, der ist, nun ja, einfach nicht gut eingespielt. Und sechs Niederlagen in Folge (die beiden Spiele gegen Manchester United eingerechnet) machen jetzt auch nicht direkt ein breites Kreuz.

Aber warum sollte Schalke das Finale verlieren? Gegen wen noch mal? Ach so, gegen den MSV Duisburg, der zumindest nicht über Motivationsprobleme klagen dürfte. Nach den veröffentlichten Partyplänen des Nachbars, den veröffentlichten Posteraktionen des Sponsors und nicht zuletzt nach dieser einen Meldung, die auf Facebook schon seit Wochen kursiert: Die Meldung über einen Schalke-Fan, der sich im Falles des Pokalsiegs der Zebras zur Strafe von einem Affen tätowieren lassen will. Häme macht zwar einen schlechten Teint, aber vielleicht nur soviel: Der Primat sollte schon mal die Farben mischen.

(Grafik gefunden auf und verlinkt mit: fc45.de/)

Montag, 16. Mai 2011

Nervenzerrung

Und jetzt noch die beiden allerschlimmsten K.o.-Spiele der Welt. Es ist wirklich zum Ausrasten*:




* Könnte mich bitte jemand von Donnerstag, 19. Mai, 18 Uhr bis Donnerstag, 26. Mai, 6 Uhr einfrieren - und dann langsam und schonend wieder auftauen? Danke.

Donnerstag, 12. Mai 2011

Alles gelaufen

(teo) Irgendwie schade, wenn am 34. Spieltag schon alle Entscheidungen gefallen sind. Aber wer konnte damit schon rechnen? Außer den üblichen Auguren und Tentakelträgern? Wohl niemand. Schließlich gehörte diese Spielzeit mit Abstand zu den abenteuerlichsten in der 48-jährigen Geschichte der Fußball-Bundesliga. Trotzdem: Die Luft ist raus.

Der FC St. Pauli dokumentierte nicht zuletzt in seinem letzten Heimspiel, dass er zwar irgendwie verdientermaßen, aber trotzdem irgendwie unnötig als Letzter absteigt. Wer sich acht Dinger zu Hause einfängt, der versaut sich damit nicht zuletzt selbst die Bilanz. Im Ergebnis sieht das jetzt am Millerntor so aus: Trainer weg, Mannschaft weg und irgendwie auch die Sympathien der halben Liga. Eine gebrauchte Saison, die man den Totenkopf-Sympathisanten da angedreht hat. Beim Spiel in Mainz können sich die Kiezkicker jetzt noch mal anschauen, wie man es auch hätte machen können. Die 05er befinden sich seit einer Dekade im ständigen Aufschwung. Und krönen ihre großartige Saison mit einem tollen Heimspiel, in dem die Hälfte der Boygroup Holtby (Schalke) und Schürrle (Leverkusen) verabschiedet werden muss. Lässt sich keiner nehmen: 05 - Pauli 3:0

Eintracht Frankfurt hat es geschafft. Die Hessen spielten eine schlechtere Rückrunde als Tasmania Berlin. Das bleibt nicht unbelohnt. Der Abstieg trifft die Fans ins Mark, scheint die Amtsinhaber aber seltsam kalt zu lassen. So sind sie halt, die Würdenträger. Verdienen ja in der 2. Liga genauso viel wie in der 1. - was soll's? Christoph Daum will auf einmal doch mit ins Unterhaus, nur der Aufsichtsrat verspürt recht wenig Lust, mit dem ehemaligen Einpeitscher zu verlängern. Vielleicht sollte man einfach mal einen guten Trainer holen? Der steht beim letzten Erstligaspiel der Schwarz-Roten in der anderen Coaching-Zone. Und ist ein Meistermacher. Jürgen Klopp wird mit dem BVB feiern. Bis der Arzt kommt. Aber in Dortmund werden über 1 Million Modefans erwartet. Könnte sein, dass da der Rettungswagen passen muss. BVB - Eintracht 5:0

"Schade, Wolfsburg, alles ist vorbei!" skandierten die Fans des VfL Bochum im Gästeblock an der Bremer Brücke in Osnabrück und bewiesen dabei deutlich mehr Näschen als Bochums Trainer Friedhelm Funkel, der beim Scouting der möglichen Relegationsgegner bislang immer im falschen Stadion saß. Mal beobachtete er Köln, mal Frankfurt. Nun ist längst klar, dass sein Weg am Samstag nach Sinsheim führen muss, wo die VW-Werkself mit einem Rucksack voller Angst und Zweifel anreist. Doch die Buchmacher haben die Quote für den Zielort Hanburg nochmal gesenkt. Funkel wird wohl der Tabelle des 33. Spieltages vertrauen und sich die Partie HSV gegen Borussia Mönchengladbach ansehen. Hoffentlich ist wenigstens sein Festplattenrekorder programmiert.
1899 - VW 4:2

Lucien Favre hatte am 31. Spieltag prophezeit, dass Gladbach wohl neun Punkte aus den letzten drei Spielen benötige, um sich noch zu retten. Mit nur sieben Punkten würde es wohl noch mal eng, meinte der Schweizer. Doch auch die Langsamen können irren. Lustigerweise reicht der Borussia nun sogar ein Punkt in Hamburg, wo mit Michael Oenning nicht nur ein Gladbach-Fan an der Seitenlinie steht, sondern auch ein ausgewiesener Fachmann, der auch mal als Co-Trainer von Dick Advocaat bei den Fohlen gearbeitet hat. Sicher, Oenning ist motiviert. Aber sein Team, das in der nächsten Spielzeit wieder mal vor dem totalen Umbruch steht? Wer weiß das schon? Zumindest gelingt es dem HSV, einen 0:2-Rückstand noch zu egalisisieren. Ein versöhnlicher Abschluss? Mitnichten. HSV - Borussia 2:2

Und sonst? Oben ist ja auch alles längst gelaufen: Der Deutsche Meister 2010/2011 (nur der BVB) stand ja bekanntlich schon seit dem 8. Spieltag fest. Dass die Bayern noch die direkte Qualifikation für die Champagner-Liga erreichen, hätte aber wohl kaum jemand vor zehn Wochen noch für möglich gehalten. Dabei ist es so einfach: Bayern schlägt Stuttgart 5:2 und Leverkusen verliert mal wieder eines der letzten Saisonspiele, diesmal in Freiburg (0:2). Das nennt man wohl Gesetz der Serie. Robin Dutt lässt sich bei seinem letzten Spiel im Schwarzwald nochmal feiern und darf schon mal so langsam ins Grübeln kommen, wie er aus der Werkself endlich ein Team macht, dass sein Ziel einfach mal eine ganze Spielzeit nicht aus den Augen verliert.

Zu den Überraschungen, die längst keine mehr sind, gehören Hannover und Nürnberg. Die beiden Kellerkinder wollten in dieser Saison endlich mal ans Licht, was beiden prima gelungen ist. Im direkten Vergleich hat 96 aber die Nase vorn, weil dem Club zuletzt etwas die Luft ausging. Und wenn sie erst einmal raus ist, ist sie raus. 96 - Clubberer 3:1

Was vergessen? Hm. Ach so: Schalke steigt ja bekanntlich nur deshalb nicht ab, weil dieser Junge aus Buer in der Kiste steht. Zöge man den Knappen die Punkte ab, die Manuel Neuer im Alleingang holte, stünden sie deutlich hinter Frankfurt, was die Sache wiederum für Bochum deutlich erleichtern würde. Leider nur graue Theorie. Schalke lässt die Saison als Tabellenvierzehnter also weiter schön runtertickern. Und spielt sich auch beim Auswärtsspiel in Köln bestens für das Pokalfinale gegen den MSV Duisburg (1:2 n.V.) ein. Köln gewinnt zu Hause ohnehin immer. Außer gegen Gladbach. FC - S04 2:0

Sonst noch? Tatsächlich. Das legendäre Spiel um eine mit Edelmetall überzogene Südfrucht fast vergessen. Kaiserslautern bleibt auf wundersame Weise drin. Wichtig für die ganze Region. Sagt man so. Warum, weiß niemand. Vielleicht gibt es da nix anderes? Möglich. Werder bleibt auch drin. Wichtig für die Freie und Hansestadt. Sonst käme Ekici aus Nürnberg ja kaum an die Weser. Aber die Frage aller Fragen: Wird wohl noch Fußball im Fritz-Walter-Stadion gespielt? Die Antwort ist einfach und fängt mit J an und hört mit a auf. Sommerfußball. FCK - Werder 0:0