Sonntag, 28. November 2010

Für Konjunktive gibt's keine Punkte

(hai) Irgendwie ein bisschen zu hoch ausgefallen, dieser 14. Spieltag der Fußball-Bundesliga. Wer jetzt meint, diese Phrase sei schon mal gedroschen worden - womöglich sogar ohne fünf Mar..., ähem, drei Euro ins Schwein geworfen zu haben, der geht ganz recht in seiner Annahme. Mainz 05 schlug den Club aus Nürnberg nach anfänglichen Schwierigkeiten noch locker mit 3:0 und nicht nur der Gästetrainer befand hernach, man sei nicht ganz so deutlich unterlegen gewesen, wie es das Ergebnis letztendlich aussage. Womit er zweifelsohne richtig lag. Mainz bleibt Mainz, singt und lacht wieder, die Mini-Krise ist überstanden. 05 bleibt erster Verfolger von 09.

Der Ballspielverein Borussia Dortmund schlug die Namenscousine aus Mönchengladbach nach anfänglichen Schwierigkeiten und einem 0:1-Rückstand noch locker mit 4:1 und nicht nur der Gästetrainer befand hernach, man sei nicht ganz so deutlich unterlegen gewesen, wie es das Ergebnis letztendlich aussage. Womit er zweifelsohne richtig lag. Dortmund steht kurz vor der Halbzeitmeisterschaft, Gladbach kurz vor der Resignation: Platz 18 ist zwar womöglich wirklich schlechter als so manche Leistung, aber zehn Punkte und 40 (in Worten: vierzig) Gegentore weisen den Weg, der mal wieder schnurstracks in die 2. Liga zu führen scheint. Denn: Die Tabelle lügt nicht. Kostet drei Euro? Egal, stimmt trotzdem.

Im Duell der Tabellennachbarn und Überraschungsteams schlug Hannover 96 den SC Freiburg nach anfänglichen Schwierigkeiten noch locker mit 3:0 und nicht nur der Heimtrainer befand hernach, man sei nicht ganz so deutlich überlegen gewesen, wie es das Ergebnis letztendlich aussage. Womit er zweifelsohne richtig lag. Hannover hat nun 25 Punkte gesammelt - eine fantastische Quote für den Fast-Absteiger des vergangenen Jahres.

Im Duell der Tabellennachbarn schlug der FC Bayern München die Eintracht aus Frankfurt nach anfänglichen Schwierigkeiten noch locker mit 4:1 und nicht nur der Gästetrainer befand hernach, man sei nicht ganz so deutlich unterlegen gewesen, wie es das Ergebnis letztendlich aussage. Womit er zweifelsohne richtig lag. Doch mehr als das zwölfte Saisontor von Torjäger Theofanis Gekas zum zwischenzeitlichen 1:1 sprang für die Gäste nicht heraus. Der Rekordmeister kann zwar die Spitze zur Zeit lediglich mit dem Fernglas und selbst damit nur undeutlich erkennen, ist nun aber bereits Fünfter - drei Punkte hinter dem Tabellendritten aus Leverkusen.

Apropos: Die Werkself kam im Duell der Tabellennachbarn nicht über ein 2:2 hinaus - und einige Beobachter meinten hernach, das Remis sei nicht zu hoch ausgefallen, vielmehr gebe es den Spielverlauf korrekt wieder. Zu diesen Beobachtern gehörte auch Gästetrainer Jupp Heynckes. Ist ja eher selten, dass der objektive Blick nicht verstellt ist, wenn man den Trainingsanzug seines Arbeitgebers trägt - und das Tor dann auch noch per Elfmeter in der vierten Minute der Nachspielzeit fällt. Aber so isser, der neue, der gelassene Osram. Muss wohl Altersweisheit sein.

Ein weises Wort gelassen ausgesprochen hat nach den 90 Minuten in Kaiserslautern auch Gästetrainer Felix Magath. Er lamentierte übrigens hernach keineswegs, dass die 0:5-Niederlage zu hoch ausgefallen sei. Im Gegenteil, er sagte lediglich: "Dieses Ergebnis schreit nach Konsequenzen." Ob er in diese vollmundige Ankündigung seine eigene Position mit einbezogen hat? Eher nicht. Aber 13 Punkte nach 14 Spielen sprechen eine deutliche Sprache. Auch über die Arbeit des die Mannschaft zusammen-, ein- und aufstellenden Trainermanagers. Vielleicht hätte Felix Magath am Samstagnachmittag seine Mannschaft auf dem schweren Weg zu den mitgereisten Fans begleiten sollen. Das Team stockte in einem gewissen Sicherheitsabstand, als es sich für die Unterstützung der Fans bedanken musste, die unter anderem darin bestand, der Mannschaft kollektiv den Rücken zuzuwenden und sie nach dem Abpfiff unflätig zu beschimpfen. Wäre Magath mitgegangen, hätte er sicherlich auch gespürt, wie richtig er mit seiner Aussage lag: "Dieses Ergebnis schreit nach Konsequenzen."

Nicht das Ergebnis, ein zünftiges 2:4 beim Hamburger Sportverein, das vielleicht am Ende ein bisschen zu hoch ausgefallen war, schrie nach Konsequenzen. Vielmehr ging es um die Dummheit eines Berufsfußballers, die dem Gästetrainer die Zornesröte ins blasse Gesicht trieb: Der Spieler Marica hatte gerade erst für den zwischenzeitlichen Ausgleich gesorgt, als er sich zunächst die gelbe Karte für ausgiebiges Palavern mit 30 Metern Anlauf abholte, um dem Schiedsrichter hernach dafür mit einem herzhaften Schimpfwort zu danken und dafür mit einer roten Karte zum Duschen geschickt zu werden. Ob der VfB Stuttgart mit Marica wirklich einen Punkt aus Hamburg entführt hätte? Für Konjunktive gibt's keine Punkte: Stuttgart bleibt Kellerkind.

Der SV Werder Bremen schlug den FC St. Pauli am Sonntag im Nordderby mit 3:0 und nicht nur der Heimtrainer befand hernach, man sei zwar deutlich überlegen gewesen, aber letztendlich sei der Sieg doch etwas zu hoch ausgefallen. Womit er zweifelsohne richtig lag. St. Pauli traf lediglich Aluminium und Sprunggelenk: Rot für Thorandt. Für Bremen traf Almeida viermal. Dreimal ins Tor und einmal ins Gesicht von Zambrano: Ebenfalls Rot.

Der 1.FC Köln brachte das eigentlich zu hoch ausgefallene 1:0 gegen den VfL Wolfsburg nicht über die Zeit. Dafür wurde einfach Cicero zu früh eingewechselt. Er kam in der 77. Minute und traf vier Minuten später zum verdienten Ausgleich. So bleibt im Tabellenkeller alles schön dicht beisammen.

Samstag, 27. November 2010

Philosophen in kurzen Hosen XXXI

"Mein Tor werde ich heute mit Sprite anstatt Wasser feiern."

(Marc Rzatkowski (20) vom VfL Bochum 1848 nach seinem ersten Profi-Tor zum 3:0 gegen den SC Paderborn 07)

(Foto gefunden auf und verlinkt mit: vfl-bochum.de/kickit/)

Donnerstag, 25. November 2010

Auswärtssieg, Auswärtssieg!

Das Westfalenstadion, das längst
wie eine Versicherung heißt.
(Handy-Fotto: Teo Tippenczewski)
(teo) Wenn am 14. Spieltag der Fußball-Bundesliga gleich neun Mannschaften Heimrecht haben, dann ist das eigentlich ohne Belang, denn der 14. Spieltag ist der große Spieltag der Gastmannschaften. Am Freitagabend tritt der 1.FC Nürnberg am Mainzer Bruchweg an und führt die imposante Serie des 1.FSV Mainz 05 fort: Die letzten drei Heimspiele der Mainzer gingen in Serie und zu Null verloren. Der Club gewinnt mit dem knappsten aller Ergebnisse: 0:1.

Der HSV hat drei der letzten vier Ligaspiele in den Sand gesetzt. Auch der VfB Stuttgart hat drei der letzten vier Ligaspiele nicht gewonnen. Spricht eigentlich für ein trostloses 0:0 im Volksparkstadion, von dem die Wenigsten wissen, wie es zur Stunde eigentlich heißt. Wird aber ein trostloses 1:2.

1899 Hoffenheim tritt zu Hause gegen den Angstgegner aus Leverkusen an. Die Werkself hat alle vier Ligaspiele gegen die Kraichgauer gewonnen. Und Bayer 04 schwimmt auf einer Erfolgswelle, hat vier der letzten fünf Pflichtspiele gewonnen, ist seit dem DFB-Pokal-Aus in Gladbach ungeschlagen. 1899 verlor daheim zuletzt 0:1 gegen Freiburg. Passt: 1899 verliert auch 0:1 gegen Leverkusen.

Zweimal gewonnen, zweimal verloren - das ist die Bilanz der letzten vier Heimspiele von Hannover 96. Trotzdem liegt 96 nach der besten Startbilanz der Geschichte auf Platz 4. Der Gast aus Freiburg liegt nach der besten Startbilanz der Geschichte einen Punkt dahinter auf Rang 6. Freiburg gewann sein letztes Auswärtsspiel 1:0 in Hoffenheim und vergeigte dann unglücklich gegen den Tabellenführer zu Hause. Robin Dutt will die Punkte zurück und holt sie sich einfach in Hannover: 1:2.

Schalke kommt langsam in die Spur: 4:0 gegen Werder, 3:0 gegen Lyon in der Champions League. Lediglich eins der letzten acht Pflichtspiele ging in die Buxe. Kaiserslautern hat mit dem Auswärtssieg in Nürnberg die rasante Talfahrt vorerst gestoppt, aber vier der letzten acht Spiele gingen punktlos an den Gegner. Genau wie Samstag: Lautern 0, Schalke 1.

Bayern Münchens bescheidener Trainer Louis van Gaal hat 30 Punkte bis zur Winterpause von seiner Mannschaft gefordert. Da fehlen noch zehn, bei nur noch vier Spielen. Dumm nur, dass er schon am Samstagabend, nach der 1:2-Heimiederlage gegen den punktgleichen Tabellennachbarn Eintracht Frankfurt das Ziel revidieren muss: Höchstens 29 Punkte kann sein Team dann noch erreichen - und läge immer noch fünf Punkte hinter Dortmund. Aber auch nur, wenn der BVB alle Spiele bis dahin verlöre - was ja, mit Verlaub - niemand glaubt.

Denn der bärenstarke BVB kann ja weiterhin punkten. Der stärkste Sturm der Liga gegen die schwächste Abwehr. Ein Spiel, das man in dieser Saison eigentlich gar nicht tippen muss: Dortmund gegen Mönchengladbach, das Topspiel am Samstagabend. Borussia gegen Borussia, Erster gegen Letzter. In der ewigen Bilanz hat der BVB überragende 29 Mal gewonnen, gerade mal 27 Mal verloren und lediglich 28 Mal unentschieden gespielt. Alles andere als ein zweistelliger Sieg des BVB wäre eine Riesenüberraschung, nachgerade eine Sensation. Klare Sache: BVB - Gladbach 1:2.

In einem weiteren der unzähligen Nordderbys spielt am Sonntag Werder Bremen im Weserstadion gegen den FC St. Pauli. Werder hat sechs der letzten acht Pflichtspiele versemmelt und dabei fluffige 21 Gegentore kassiert. Die Kiezkicker haben vier der letzten fünf Spiele in Serie vergeigt, zuletzt beim 1:1 gegen Wolfsburg aber wieder verbessert gewirkt. Werders Lauf hält an: 1:2.

Der 1.FC Köln überraschte in dieser Woche mit einem 1:0 in Stuttgart und der Nicht-Entlassung des Managers. Trotzdem: Fünf der letzten acht Spiele waren für den Allerwertesten. Gegen den VfL Wolfsburg, der lediglich eins der letzten sieben Spiele gewann, aber wenigstens noch dreimal Unentschieden spielte, soll der Sieg aus Stuttgart nun vergoldet werden. Wäre doch gelacht, wenn das nicht klappte. 0:1. Gar nicht lustig.

Ihr seid ja immer noch da. Was vergessen? Ach so: Das Volksparkstadion heißt derzeit Imtech Arena. Das kann aber zum Zeitpunkt, wenn Ihr das hier lest, schon wieder anders sein.