Mittwoch, 26. Februar 2014

Harte Nuss für Bundestrainer Heynckes

(teo) Was haben wir nach dem letzten Spieltag aus der Fußball-Bundesliga gelernt? Unter anderem, dass auch Gibraltar die stärksten Bayern der Welt in dieser Saison nicht gefährden kann. Und dass der Jubel im Lager der deutschen Nationalelf so laut war, dass es einem verdächtig vorkommen muss. Denn es gibt ja keinen Kleinen mehr. Und die Breite in der Spitze ist international längst noch viel dichter geworden als es Berti Vogts je war. 

Warten auf die WM.

(Foto (c): Thomas Ottensmann)

In der Qualifikationsgruppe zur EM 2016 wurde dem Weltmeister von 2014 mit Gibraltar, diesem an der Südspitze der iberischen Halbinsel gelegenen britischen Überseegebiet, das 1713 im Frieden von Utrecht - warum auch immer - von Spanien an England abgetreten wurde, zugelost. Das Land ohne Hauptstadt, dafür aber mit Nationalstadion und gleichnamiger -mannschaft gilt als einer der Geheimfavoriten des Turniers. Ein Traumlos für die deutschen Weltmeister. Wir dürfen uns also auf zwei rassige Duelle freuen. 

Denn Gibraltar (Wahlspruch: "Für keinen Feind eroberbar") gilt nicht erst seit heute für viele als der Geheimtipp im europäischen Fußball. Nicht umsonst, denn Gibraltar ist das einzige europäische Team, das bis heute UNGESCHLAGEN ist. Die Bilanz: Kein Sieg, ein Unentschieden, keine Niederlage. Gibraltar, das sich durch einen Entscheid des internationalen Sportgerichtshof CAS 2011 in die UEFA einklagte, die die Aufnahme Gibraltars zweimal abgelehnt hatte, bestritt am 19. November 2013 im portugiesischen Faro ihr erstes offizielles Länderspiel gegen ein anderes UEFA-Mitglied. Gegen die Slowakei gab es ein umjubeltes 0:0.

Es wird also schwierig für Bundestrainer Jupp Heynckes, der die bayrischen Weltmeister von 2014 auf den Spuren Spaniens nun auch 2016 zum ersten EM-Titel seit 20 Jahren führen soll. Im Kader des Weltmeisters von Rio spielen 18 der 23 EM-Fahrer mittlerweile für die Bayern. Ein Dortmunder, ein Schalker, ein Gladbacher, ein Leverkusener und ein Kölner komplettieren den Kader. Das Quintett soll dem Vernehmen nach allerdings längst Vorverträge in München unterzeichnet haben. Als Manager der Nationalelf steht zudem die Unterschrift von Karl-Heinz-Rummenigge unmittelbar bevor.

Kleine Abschweifung, tschulligung. Wo waren wir, ach hier: Gibraltar. Die Talentscouts geben sich derweil auf dem 6,5 Quadratkilometer großen und 28.750 Einwohner zählenden Zipfel zunächst die Klinke und dann die Handynummer von Fabian Picardo in die Hand. Ohne den Chefminister geht dort nämlich gar nix, auch kein Transfer. "Gibraltar", so sagte uns neulich noch ein intimer Kenner der Szene, "ist das neue Belgien. Ihr werdet alle noch staunen".

Was vergessen? Wie jetzt? Bundesliga? Ach so. Jaaa, die Bayern werden Meister, Leverkusen, Dortmund und Schalke spielen Champagnerliga, Augsburg und VW in der Fantaliga. Braunschweig und Freiburg semmeln ab, der HSV freut sich auf Lokalderbys gegen St. Pauli. Und hier die Ergebnisse für Toto-Freunde:

Hertha BSC - SC Freiburg 2:1
Borussia Dortmund - Nürnberg 0:3
Leverkusen - Mainz 05 0:5
Werder Bremen - Hamburger SV 4:4
FC Augsburg - Hannover 96 4:1
Eintracht Braunschweig - Borussia Mönchengladbach 1:0
Bayern München - Schalke 04 0:2
1899 Hoffenheim - VfL Wolfsburg 1:0
Eintracht Frankfurt - VfB Stuttgart 1:4

Sonntag, 23. Februar 2014

Gibraltar ist das neue Belgien

(teo) Was haben wir am 22. Spieltag der Fußball-Bundesliga gelernt? Unter anderem, dass a) selbst Gibraltar die Bayern in ihrem stärksten Jahr aller Zeiten nicht gefährden kann und dass die deutsche Sportjournaille b) durchaus mal ihr Vokabelheft ergänzen sollte. Jubel im Lager der deutschen Nationalelf: In der Qualifikationsgruppe zur EM 2016 wurde dem Weltmeister von 2014 mit Gibraltar, dieses an der Südspitze der iberischen Halbinsel gelegene britische Überseegebiet, das 1713 im Frieden von Utrecht - warum auch immer - von Spanien an England abgetreten wurde. Das Land ohne Hauptstadt aber mit Nationalstadion und - mannschaft gilt als einer der Geheimfavoriten des 16er Turniers. Ein Traumlos. Wir dürfen uns auf zwei rassige Duelle freuen. 


Gibraltar. Bislang nur bekannt
aus
"Das Boot". Aber
"Gibraltar ist das neue Belgien".


(Foto gefunden auf und verlinkt mit:
 
http://upload.wikimedia.org/wikipedia)

Denn Gibraltar (Wahlspruch: "Für keinen Feind eroberbar") gilt nicht erst seit heute für viele als der Geheimtipp im europäischen Fußball. Nicht umsonst, denn Gibraltar ist das einzige europäische Team, das bis heute UNGESCHLAGEN ist. Die Bilanz: Kein Sieg, ein Unentschieden, keine Niederlage. Gibraltar, das sich durch einen Entscheid des internationalen Sportgerichtshof CAS 2011 in die UEFA einklagte, die die Aufnahme Gibraltars zweimal abgelehnt hatte, bestritt am 19. November 2013 im portugiesischen Faro ihr erstes offizielles Länderspiel gegen ein anderes UEFA-Mitglied. Gegen die Slowakei gab es ein umjubeltes 0:0. 

Es wird also schwierig für Bundestrainer Jupp Heynckes, der die bayrischen Weltmeister von 2014 auf den Spuren Spaniens nun auch 2016 zum ersten EM-Titel seit 20 Jahren führen soll. Im Kader des Weltmeisters von Rio spielen 18 der 23 EM-Fahrer mittlerweile für die Bayern. Ein Dortmunder, ein Schalker, ein Gladbacher, ein Leverkusener und ein Kölner komplettieren den Kader. Das Quintett soll dem Vernehmen nach allerdings längst Vorverträge in München unterzeichnet haben. Als Manager der Nationalelf steht zudem die Unterschrift von Karl-Heinz-Rummenigge unmittelbar bevor. 


Jeder ist seines Glückes Schmied.

(Quelle: Internet)
Kleine Abschweifung, tschulligung. Wo waren wir, ach hier: Gibraltar. Die Talentscouts geben sich derweil auf dem 6,5 Quadratkilometer großen und 28.750 Einwohner zählenden Zipfel zunächst die Klinke und dann die Handynummer von Fabian Picardo in die Hand. Ohne den Chefminister geht dort nämlich gar nix, auch kein Transfer. "Gibraltar", so sagte uns neulich noch ein intimer Kenner der Szene, "ist das neue Belgien. Ihr werdet alle noch staunen".

Tun wir schon jetzt, denn als wir Sonntag Nachmittag ahnungslos das Autoradio einschalteten, plärrte ein NDR-Reporter aufgeregt, dass "Hannover 96 sensationellerweise den Bayern standhalte" und dass 96 vielmehr "das Heimspiel nicht herschenken", sondern vielmehr "gewinnen wolle", weil es ja ein Heimspiel sei. Und dass allein die Aufstellung mit im internationalen Fußball völlig ungewöhnlichen zwei (!) Spitzen zeige, dass 96 mutig nach vorne spielen wolle. Und dass diese Taktik gegen die Münchener C-Elf voll aufgehe. Erstaunlicher fanden wir dann aber vor allem die Abmoderation des Kollegen. 

Nein, nicht "zurück in die angeschlossenen Funkhäuser", was ja leider und völlig unverständlicherweise kaum noch Verwendung findet. Sondern: "96 kann dem Druck der Bayern standhalten. Das ist eine Überraschung. Hannover hält das 0:0. Gespielt sind sechseinhalb Minuten". Hm. In der Tat überraschend. Und man muss sich fragen, wer das Spiel eigentlich im Vorfeld mehr abgeschenkt hat: 96 oder der NDR?

Freitag, 21. Februar 2014

Springflut für den Strohhalmmann

(teo) Vor dem 22. Spieltag der Fußball-Bundesliga schauen wir gespannt in den Hohen Norden, wo am Samstag um 15Uhr30 die schlimmste Springflut seit den Sechzgern angekündigt ist. Und die spielen ja schon sehr lange in der 2. Liga. Der Hamburger SV also im übelsten Zustand seit den rosa Trikots. Ein NDR-Radioreporter sagte nach der erstaunlichen 2:4-Niederlage bei Tasmania Braunschweig: "Der HSV noch mehr am Boden." 


Der schönste Fußballplatz der Welt.

(Foto (c): Thomas Ottensmann)

Stelle ich mir gerade vor. Ich liege schon am Boden. Schon lange. Die Nasenspitze im Kreidestaub des Sechzehners. Knie, Becken, Brust berühren den grünen Teppich wie sonst nur beim Yoga. Und dann? Kommt eine gelbe Dampfwalze mit nem Hirsch auf der Motorhaube und überrollt mich. Dann bin ich "noch mehr am Boden", am Bodener quasi. Genau genommen müsste es nach der Begegnung mit einer Dampfwalze dann ja sogar "im Boden" heißen. Doch selbst diese Niederlage mit zwei Toren Unterschied hatten wir hier ja vorhergesagt (vgl. "Ein Schwabe macht noch keinen Sommer" vom 14.02.14). 

So, schwarzer Vogel, runter von meiner Schulter. In der Glaskugel sahen wir letztens ja auch Felix Magath nach Hamburg fahren, aber der W-LAN-Empfang war schlecht und der Stream ruckelig. Deswegen waren wir nicht sicher. War dann zwar wirklich Magath, der da fuhr, aber der lebt ja in Hamburg und fährt deshalb auch manchmal in Hamburg mit seinem Auto. 

Wir bleiben einfach in Hamburg. Schöne Stadt. Geiler Fußballklub. Leider müssen die erst wieder aufsteigen. Aber das Millerntor ist wirklich ein Schmuckkästchen geworden. Ach ja: Uwe Seeler hat sich auch gemeldet. Was selten ein gutes Zeichen ist. Wie sagte er zuletzt zu Mehmet Scholl ? "Das ist alles nicht ganz einfach. Im Gegenteil: Es ist sogar sehr schwer." Wenn "nicht ganz einfach" in Hamburg mittlerweile das Gegenteil von "sehr schwer" ist, dann lassen sich womöglich auch die Leistungszerrungen der HSV-Kicker erklären. 

Jetzt soll es also der Strohhalmmann aus Hannover richten. Der HSV hat Mirko Slomka verpflichtet. Um nicht abzusteigen. Mirko Slomka wurde ja gerade erst in Hannover entlassen. Um nicht abzusteigen. Tricky, woll?! Aber es handelt sich schließlich um Fußball und deswegen geht es ja gar nicht um Vernunft und Ratio. Es geht nicht um Verstand, denn Verstand kommt ja von Verstehen. Und das muss man nicht. Nur soviel: Dieser Trainerwechsel kommt nur sehr bedingt von Verstand. 

Apropos: Oliver Kreuzer sprach nach der Vertragsunterzeichnung mit dem neuen Trainer von der Hoffnung, dass Mirko Slomka die Mannschaft jetzt erreiche. Als ob sie in Spanien weile, Slomka aber in Eppendorf einen schlechten Handyempfang habe. Normalerweise heißt es im Handbuch "Managerdeutsch für Berufsanfänger" aber sowieso "NOCH" erreiche. Zitat aus dem Ratgeber (Seite 36 im Kapitel "Krise/Trainerfrage"): "Prüfen, ob der Trainer die Mannschaft NOCH erreicht. Falls nein: Feuern! Aber im Interview nach dem Spiel sagen, dass du hinter dem Trainer stehst und noch gar nicht anderen gesprochen hast und dass die Bild-Zeitung lügt. Und du niemals in Winsen an der Luhe im Autobahnrestaurant mit XYZ gewesen bist, weil dir der Kaffee da viel zu teuer und außerdem lau sei. Weil Lulli ja schließlich Euer Trainer ist. Und Lulli noch einen gültigen Vertrag bis 2019 hat. Dann den Neuen anrufen und zusagen. Dann eine Nacht schlafen und morgens eine PK für mittags ansetzen. Dort dann sagen, dass der alte Trainer den Vorstand um seine Beurlaubung gebeten habe, weil er mit ein wenig Abstand glaube, dass ein Neuanfang besser sei, dem er aber nicht im Wege stehen wolle. An diesen Wortlaut die Abfindung von XYZ knüpfen und dann ab dafür. Aber bedenke: Neue Besen kehren zwar nicht immer gut, sind aber wenigstens besonders teuer." 

Alles nicht ganz einfach, da oben in Hamburch? Hat ja auch niemand behauptet. Vielleicht ist es aber im Gegenteil auch nur sehr schwer.

Schalke 04 - Mainz 05 2:1
Borussia Mönchengladbach - 1899 Hoffenheim 1:0
VfB Stuttgart - Hertha BSC 1:4
Eintracht Braunschweig - Nürnberg 0:3 
SC Freiburg - FC Augsburg 1:2 
Hamburger SV - Borussia Dortmund 2:5
Wolfsburg - Leverkusen 2:2
Eintracht Frankfurt - Werder Bremen 2:0 
Hannover 96 - Bayern München 0:2

Montag, 17. Februar 2014

Am Bodener mit Uwe Seeler

(teo) War ja irgendwie nix los am 21. Spieltag der Fußball-Bundesliga. Dortmund und München gewinnen hoch. Leverkusen vergeigt erneut zuhause. Sogar gegen Schalke. Gladbach kann keine Tore mehr schießen und wird entgegen gesicherter Prognosen - wenn der Lauf so anhält und es nach jedem Spieltag einen Platz weiter runtergeht, letztendlich Neunzehnter. Auch ein schöner neuer Rekord. Und endlich mal einer, den nicht die Bayern halten.


Mit solchen Fußballschuhen
kann man ja nur vergeigen.


(Foto (c): Thomas Ottensmann)

Weil es so ein ereignisarmer Spieltag war, wenden wir uns fixefaxe und schnurstracks dem Hamburger SV zu. Ein Radioreporter sagte nach der erstaunlichen 2:4-Niederlage trotz einer frühen 1:0-Führung bei Tasmania Braunschweig: "Der HSV jetzt noch mehr am Boden". Stelle man sich mal vor. Ich liege also schon am Boden. Die Nasenspitze im Kreidestaub des Sechzehners. Knie, Becken, Brust berühren den grünen Teppich wie weiland beim Yoga. Und dann? Kommt eine Dampfwalze mit nem kapitalen Zwölfender auf dem Kanarientrikot und überrollt mich, dass ich nicht mehr weiß, ob Jogi Löw wirklich Heiko Westermann jemals in die Nationalelf berufen hat und vor allem warum überhaupt. 

So war es wohl gemeint. Dann bin ich "noch mehr am Boden", quasi am Bodener. Genau genommen müsste es nach der Begegnung mit einer Aufsteigerwalze dann ja sogar "im Boden" heißen. Doch selbst diese Niederlage mit zwei Toren Unterschied hatten wir ja ausführlichst prognostiziert (vgl. "Ein Schwabe macht noch keinen Sommer" vom 14.02.14), also... gähn. So, schwarzer Vogel, verlass mal meine Schulter. In der Glaskugel sahen wir übrigens wie alle auch zunächst Felix Magath für Bert van Marwijk (Attest wegen Heimweh) nach Hamburg fahren, aber unser W-LAN- Empfang war wackelig. Magath war ledigilich zum Flughafen der Hansestadt gedüst, um lieber den FC Fulham kaputtzutransferieren. Wäre doch gelacht. Und: Viel Spaß, Lewis. Jeder Mensch braucht halt eine Aufgabe. Und den ganzen Tag auf Facebook zu verdaddeln und Fußball-Manager 14 zu zocken, das konnte es für den glücklichen Wolfgang dann doch nicht sein. 

Wie sagte Uwe Seeler zuletzt zwischen zwei heruntergeladenen Klingeltönen? "Das ist alles nicht ganz einfach. Im Gegenteil: Es ist sogar sehr schwer." Wenn "nicht einfach" in Hamburg mittlerweile das Gegenteil von "sehr schwer" ist, dann lassen sich womöglich auch die Leistungszerrungen der gleichnamigen -träger des HSV erklären. Der HSV hat schließlich lieber Mirko Slomka verpflichtet, um nicht abzusteigen. Mirko Slomka wurde ja ein paar Tage zuvor in Hannover entlassen, weil der Klub lieber nicht absteigen wollte. Nicht ganz einfach? Hat ja auch niemand behauptet. Nur soviel: Das wird sehr schwer.