Donnerstag, 13. Februar 2014

Ein Schwabe macht noch keinen Sommer

(teo) Die Bayern gewinnen jedes Spiel. Außer gegen Freiburg und Leverkusen. Macht 98 Punkte. So. Haben wir auch das final abgehandelt. Glückwunsch, Balkonfeier, ab zum Finale nach Berlin, Glückwunsch, Balkonfeier, ab zum Finale ins Estádio da Luz, Schleifchen um den Henkelpott, Glückwunsch, Balkonfeier, fertig. Die vierzehn deutschen bayrischen Nationalspieler reisen aus Lissabon direkt weiter nach Südtirol ins Trainingslager für die WM-Vorbereitung. Bis zum 3. Juni. Dann einmal kurz nach Hause. Pipi machen, Zähneputzen, kurz in die Heia. Fertigmachen zum Wecken, ab nach Brasilien. Dort dann siebenmal wachwerden, dann Schleifchen um die jubelnden Männer mit Globus in Gold, Glückwunsch, Balkonfeier und Ermüdungsbruch in der Wirbelsäule.


Einfach mal Bilanz ziehen.

(Foto (c): Thomas Ottensmann)

Wir Faulenzer können uns derweil endlich mal wieder auf die spannendste Bundesliga aller Zeiten konzentrieren. Die letzten 14 Spiele. Es britzelt. Obwohl... -  gähn. Auch im Feld der 17 Jägerchen ist alles längst gelaufen. Deswegen an dieser Stelle schon mal die Bilanz der spannendsten Saison der "gefährlichsten Liga der Welt" (Markus Gisdol). 

Der TSV Bayer 04 hat sich durch das Pokal-Aus etwas Luft verschafft. Die fiese Dreifachbelastung war einfach zu viel für die junge Mannschaft der finnischen Nordmanntanne. Jetzt also nur noch zwei Spiele in der Schampusliga, wo selbst Niederlagen so gut bezahlt werden, dass man dem VfL Bochum locker das Internat leer kaufen kann, um sich dann wieder dem Wesentlichen zu widmen und so das höchste der Gefühle und damit auch zeitgleich das Saisonziel zu erreichen. Die Werkself (eingetragene Handelsmarke) verdient sich endlich mal wieder den hochverdienten Titel Vizekusen (eingetragene Handelsmarke). Lediglich 31 Punkte hinter der "schwarzen Bestie" (As). 

Und sonst so? Dortmund und Schalke spielen ebenfalls da, wo sie irgendwie immer spielen: in der Königsklasse. Müssen beide ja auch. Der BVB um seine VIP-Logen weiterhin zu horrenden Konditionen zu vermieten und der vorgeblich heißeste Verein Europas zu bleiben. Die knappen Knappen, um ihren Schuldenstand unter die historische 150-Millionen-Euro-Grenze zu drücken. Dabei gäbe es einen deutlich einfacheren Weg. Julian Draxler verticken. Aber das eine schließt das andere ja nicht aus. Schalke ballert die gesamten 70 Millionen Überschuss direkt wieder raus. Um mit Trainer Favre 14/15 endlich wieder einen Titel zu holen. Jens Keller wurde ja entlassen. Weil er das Saisonziel, Vierter zu werden, verpasste und die Mannschaft nur auf Platz 3 führte. 

Dass der BVB wegen der minimal schlechteren Tordifferenz (+21) zunächst in die Qualispiele zur Champagnerklasse muss, sieht Jürgen Klopp derweil ganz gelassen: "Gibt's halt eine Woche Ibiza weniger. Na und?". Gelassenheit, die nicht verblüffen darf: Das Solarium in seiner Kellersauna leuchtet ja ohnehin das ganze Jahr wie eine Autobahnlampe in Belgien.

Den Meister von 2009 hatten nur ganz Wenige auf dem berühmten Tippzettel, als es vor der Langweilersaison um die Plätze in der Fantaliga ging. Aber der VfL Wolfsburg wäre ja nicht der VfL Wolfsburg, wäre er nicht in der Lage, eine ohnehin mit diversen Werksmillionen zusammengepoppnietetes Starensemble noch mal fixefaxe um einen begehrten Jungstar zu bereichern - und gleichzeitig seine launische, aber hochbegabte Teilzeit-Diva durch das auf Kipp geöffnete Transferfenster nach Italien zu verscherbeln. Diego ist der Kopf der Mannschaft, hieß es früher, also Anfang Januar. Oder war es das Herz? Eventuell das Hirn? Hm. Manchmal war Diego einfach nur die Milz - oder eine Niere.  Aber bleibt alles anders. Denn Geld schießt Tore.

Kein Geld allerdings auch. Und wie. Die Jungs mit den lästigen Fäden an Kopf, Beinen und den stollenbeschuhten Klumpfüßen hatten nur wenige auf dem berühmten Tippzettel, als es vor der Valiumsaison um die Plätze in der Fantaliga ging. Obwohl auch im dritten Jahr Bundesliga immer noch niemand weiß, ob Augsburg nun von bayrischen Schwaben oder schwäbischen Bayern besiedelt ist. Gibt es eventuell sogar zwei eigenständige Stadtteile, in denen auf der südlichen Seite des Lech altmodische Bayern und auf der nördlichen moderne Schwaben nisten? Oder umgekehrt? Man weiß es nicht. Eigentlich auch wurscht. Denn ein Schwabe macht bekanntlich noch keinen Sommer und die Beteiligung an den Spielen im europäischen Fußball schon mal Abstiegsangst, zumindest für einen kleineren Klub. Markus Weinzierl sollte sich jetzt schon die Handynummer von Christian Streich auf Kurzwahl legen. Nächstes Jahr wird es nämlich eng in der Liga. 

So kann die Mannschaft aus der einzigen deutschen Stadt mit eigenem gesetzlichen Feiertag zwar vor dem Anstoß anstatt des unbekannten Wimpels die begehrten Jim-Knopf-Marionetten jetzt auch in Bordeaux, Manchester, Fiorentina und Brügge verteilen, verliert dafür aber die ersten drei Spiele in der Liga gegen Kaiserslautern, Hannover und Köln deutlich. Tja. No Risk, No Fun. So wird der FCA am 8. August, dem Augsburger Hohen Friedensfest, zwar arbeitsfrei haben und ausgelassen feiern, aber 14 Tage später mit dem Heulen und Zähneknirschen beginnen. Wegen des K.o. im DFB-Pokal bei Jahn Regensburg.  

Gladbach wird Siebter. Knapp vor Hertha und Mainz. Wegen der besseren Tordifferenz. Bremen muss in die Relegation, der HSV und Braunschweig semmeln direkt ab. Braunschweig knapp und daramatisch nur wegen der schlechteren Tordifferenz. Der HSV hingegen klar und hochverdient. Eine solches Attribut heimsten die Spieler mit der blau-weiß-schwarzen Raute in dieser Saison eher unoft ein. Die schlechteste Leistung seit Vereinsgründung führt nun zur Sprengung der Gründungsuhr. Ach, Zeitmessen ist ja auch so eine überbewertete Nebenbeschäftigung. Wie wäre es stattdessen mal mit solider Vereinsführung, fachlicher Kompetenz und ein bisschen professionellem Fußball? 

Was vergessen? Ach ja: Nürnberg wird übrigens Zwölfter. Und Gertjan Verbeek lässt sich die Schädel scheren. Ein Gewinn für die Liga! Sonst noch? Hm. Nein, das war sie, die 51. Spielzeit der Fußball-Bundesliga. Wir geben zurück in die angeschlossen Funkhäuser. Hm? Wie jetzt, das sind gar keine Achtzehn? Dein Klub nicht dabei? Fehlt in der Bilanz? Tja. War wohl keine besonders herausragende Saison. 

Mainz 05 - Hannover 96 1:1
Borussia Dortmund - Eintracht Frankfurt 3:1
Bayern München - SC Freiburg 1:1
Werder Bremen - Borussia Mönchengladbach 0:4
1899 Hoffenheim - VfB Stuttgart 4:3
Eintracht Braunschweig - Hamburger SV 2:0
Bayer 04 Leverkusen - Schalke 04 1:3
FC Augsburg - 1. FC Nürnberg 2:2
Hertha BSC - VfL Wolfsburg 1:1

Montag, 10. Februar 2014

Wegen der besseren Tordifferenz

(teo) Jim Knopf fährt mit dem Volkswagen-Multivan durch Europa. Im Fonds: Emma, Erwin, Brian und Berni. Die Bayern gewinnen jedes Spiel. Außer gegen Freiburg und Leverkusen. Macht 94 Punkte am Saisonschluss. So. Jetzt haben wir das auch abgehandelt. Und können uns in den letzten 14 Spielen auf die Bundesliga konzentrieren. Obwohl... - auch da ist alles längst gelaufen. 



(Foto (c): Thomas Ottensmann)

Der TSV Bayer 04 ist durch und verdient sich wieder den handelsmarkengeschützten Titel Vizekusen. Dortmund und Schalke spielen in der Champagnerliga. Augsburg und Wolfsburg spielen Fantaliga. Gladbach wird Siebter. Knapp vor Hertha und Mainz. Wegen der besseren Tordifferenz. Bremen muss in die Relegation, der HSV und Braunschweig semmeln direkt ab. Nürnberg wird Zwölfter. 

Donnerstag, 6. Februar 2014

Rotieren wie ein Helikopter

(teo) Vor dem 20. Spieltag der Fußball-Bundesliga hallt noch immer die umstrittene Frankfurter Taktik nach: Soll man seine Mannschaft gegen die Bayern schonen? Die besten Spieler draußen lassen? Rotieren wie ein Helikopter? Oder einfach gar nicht mehr antreten? Man verlöre am Grünen Tisch nur 0:3, kein Spieler bekäme eine Karte oder Kreuzbandriss. Nur mal so ins Unreine gedacht.


Noch nicht mal alle zwei Wochen.

(Foto (c): Thomas Ottensmann)

Es geht bergab für Borussia Mönchengladbach. Nach sechs Siegen in Folge gab es schon in den letzten beiden Spielen der Hinrunde mit zwei Remis einen Durchhänger. Die ersten beiden Spiele der Rückrunde setzte Gladbach dann richtig in den Sand: null Punkte, ein mickriges Törchen, fünf Gegentore. Da trifft es sich doch gut, dass am Freitagabend um 20Uhr30 der Angstgegner in den Borussia-Park reist. Gegen Bayer 04 Leverkusen hat Gladbach zuletzt 1989 zuhause gewonnen. Auf dem Bökelberg. In 38 Heimspielen gab es zudem niedliche 20 Unentschieden. Borussia - Bayer 04 2:2 

Wenn sich am Samstag um 15Uhr30 die beiden besten Rückrundenteams treffen, kann man eine Mannschaft aus dem Kopf aufsagen. Aber die andere, die nicht Bayern München heißt? Es ist der einst sieglose 1.FC Nürnberg, der mit zwei blitzsauberen Dreiern und 7:1 Punkten aus der Winterpause flitzte. Gegen die Bayern ist Derby angesagt. Und das will man gewinnen. Oder sollen die Bayern die Saison etwa ungeschoren überstehen? FCN - FCB 2:1

In der Hinrunde schien es nur eine Frage der Zeit, bis der VfL Wolfsburg die Champagnerliga-Plätze erreicht. Dann ließ man in der Winterpause Diego mal wieder ziehen, griff tief in die Tasche und holte Kevin de Bruyne - und verlor die ersten beiden Rückrundenspiele merkwürdig mau. Der punktgleiche Gast vom FSV Mainz 05 ist hingegen dank seiner neuen Asia-Connection ganz klar im Aufwind. Die letzten drei Spiele gewonnen, fünf Spiele in Serie ohne Niederlage. Klare Sache. VfL - FSV 2:1

Blauer Montag? Nix da. Robin Dutt hat bei Werder Bremen den traditionell trainingsfreien Tag gestrichen. Die Mannschaft solle "Wettkampfmentalität" bekommen. Hört sich bei einer Profimannschaft irgendwie lustig an. Ob das erhöhte Pensum sich schon im Heimspiel gegen den BVB auszahlt? Wir spielen Flitzebogen und sind sehr gespannt. Werder - BVB 0:2

Aufatmen in Hoffenheim. Nach drei sieglosen Spielen in Serie gab es im letzten Heimspiel endlich mal wieder einen Sieg. Okay, es war ein Freilos. Ging ja gegen den HSV, der momentan wirklich jeden Vorwand nutzt, um für seine Fans den Grill anzuschmeißen. In Freiburg dürfte das nun nicht so einfach werden. Zumal Trainer Gisdol die Bundesliga für die "zur Zeit gefährlichste Liga der Welt" hält. Hoffenheim hat als Elfter nur vier Punkte Vorsprung vor dem Relegationsrang, auf dem zur Abwechslung mal wieder der SC Freiburg steht. Auch Freiburg weiter högschd gefährded. Ein Punkt Vorsprung vor dem ersten Abstiegsplatz. SCF - TSG 3:3

In schöner Eintracht im ehemaligen Waldstadion beisammen: Frankfurt und Braunschweig. Fünf Punkte trennen den Aufsteiger als Schlusslicht vom ersten Nichtabstiegsplatz und dem "schierbar Unglaublichen", wie es Torsten Lieberknecht so treffend wie zeitlos schön formulierte. Frankfurt ist nur sechs Punkte voraus, hat aber zuletzt wichtige Spieler im Testspiel bei den Bayern geschont. Zahlt sich aus. SGE - BTSV 0:0

Nach dem Spiel am Samstag um 18Uhr30 ist für alle HSV-Fans traditionelles Angrillen mit der Mannschaft. Bevor es an den Rost geht, dürfen die Berufsfußballer zuvor im Heimspiel gegen Hertha zeigen, was sie auf dem Rasen drauf haben. Gut, das durften sie schon neunzehnmal zuvor. Ging dabei aber elfmal in die Hose, bei lediglich 44 Gegentoren. Berlin verlor die ersten beiden Spiele der Rückrunde zwar auch, hat aber trotzdem zwölf Punkte mehr auf dem Konto als Hamburg. Wird bestimmt ne schöne Sause. HSV - Hertha 1:2

Am Sonntag um 15Uhr30 endlich mal wieder ein Derby: Stuttgart empfängt Augsburg. Und der FCA gehört momentan zu den gefährlichsten Gegnern in der gefährlichsten Liga der Welt. Der VfB derzeit lebendiges Zeugnis der alten Fußballer-Weisheit: Wer Einsnull führt, der stets verliert. Dreimal hintereinander widerfuhr das den Stuttgartern gerade. Damit soll nun aber Schluss sein. Ist ja auch ganz einfach. VfB - FCA 0:2

Drittbeste Mannschaft der Rückrunde ist Hannover 96. Hätte man in der Winterpause auch nur ungern 5 Euro drauf gewettet. Beide Spiele gewonnen, 6:2 Tore. Nun geht es am Sonntag um 17Uhr30 zum FC Schalke 04, der die viertbeste Mannschaft der Rückrunde stellt (6 Punkte, 5:1 Tore). 96 hat als Zehnter nur sechs Punkte Rückstand auf die Fantaligaplätze. Schalke ist als Vierter aber schon zehn Punkte weg. Doch nach unten sind es auch nur sieben Punkte. Gefährliche Zahlen in der gefährlichsten Liga der Welt! S04 - 96 1:2

Montag, 3. Februar 2014

Zittern hält unschierbar jung

(teo) Was haben wir aus dem 19. Spieltag der Fußball-Bundesliga gelernt? Braunschweigs Coach Torsten Lieberknecht glaubt immer noch daran, dass "wir das schierbar Unglaubliche schaffen können". Jan-Ingwer Callsen-Bracker träumt jede Nacht. Und Kevin Prince Boateng freut sich über einen Jungbrunnen namens Schalke 04: "Wir zittern ab und zu. Aber das ist auch gut, das hält uns jung." 


Entscheidend ist auf dem Platz.

(Foto (c): Thomas Ottensmann) 


Zu den jüngsten Mannschaften des Spieltags zählt deshalb ohne Frage der Hamburger SV. Nach der irgendwie sang- und klanglosen Vorstellung beim 0:3 in Hoffenheim steht der HSV mittlerweile auf einem direkten Abstiegsrang. Der 1. FC Nürnberg gehört dagegen zu den Gewinnern des Spieltags und weiß nun offenbar, wie Siegen geht. Gladbach hat das dagegen verlernt. Kein Dreier aus den letzten vier Spielen (zwei Niederlagen).


Und sonst? Die Bayern enttäuschen. Haben schon 53 Punkte geholt, aber erst 51 Tore geschossen. Gut möglich, dass sich das aber bald ändern wird. Wenn die Taktik von Frankfurts Trainer Veh Schule macht und alle nur noch die B-Elf gegen die Bayern aufs Feld schicken. 

Im Mittelfeld wird dagegen weiter gedrängelt. Hannover (10.) hat nur sechs Punkte Rückstand auf Platz 6. Hoffenheim (11.) liegt hingegen nur vier Punkte vor dem Relegationsrang 16. Und Braunschweig? Fünf Punkte trennen den Aufsteiger als Schlusslicht vom schierbar Unmöglichen, dem ersten Nichtabstiegsplatz 15.