Donnerstag, 18. Oktober 2012

Warum nicht mal 4:4?

(teo) Vor dem 8. Spieltag spielt die Fußball-Bundesliga Jagd auf Goldener Oktober. Temperaturen wie einst im Mai. Eitel Sonnenschein allüberall. Naja, fast überall. Strahlende Rücken (Robben), reißende Kreuzbänder (Cacau), fiese Viren (Papadopoulos) - der ganz normale Herbst im Körper eines Profisportlers. Dabei steht doch der Derby-Spieltag an. Blitzheilung nicht ausgeschlossen. Cacau mal ausgeschlossen. Auf dem Plan der Liga stehen neun Lernspiele, die es in sich haben. Jeder 4:4-Tipp zählt heute übrigens doppelt.

Schon der Freitagabend beginnt mit dem prickelnden Duell TSG 1899 Hoffenheim gegen SpVgg Greuther Fürth. Die bisherige Bilanz ist brisant: 0-0-0. Gerüchte, dass in diesem Spiel bereits der erste Absteiger ausgespielt wird, können nur als bösartig bezeichnet werden. Geht höchstens um den Relegationsplatz. 1899 - Fürth 1:2

Am Samstag um 15Uhr30 wollen die Bayern in Düsseldorf dem BVB endgültig in die Suppe spucken.  Unappetitlich, aber wir wissen schließlich alle: Gewinnen sie nicht, wird Dortmund Meister. Weil Dortmund ja immer Meister wird, wenn in der Liga einer zum Saisonstart siebenmal in Folge gewinnt. Von 22 Spielen gewannen die Bayern übrigens elf in Düsseldorf. Als Düsseldorf zuletzt die Bayern besiegte (4:0) stand die Mauer noch (1985). Jetzt ist sie weg. Fortuna - Bayern 1:0

Mirko Slomka spielt gern gegen Eintracht Frankfurt. Sieben Spiele, fünf Siege, keine Niederlage. Jetzt ist Mirko Slomka, den sein Präsident lustigerweise wie ein Aalverkäufer auf dem Hamburger Fischmarkt bei den Bayern anbietet, nicht Hannover 96. Denn 96 verlor bereits viermal daheim gegen die Eintracht, blieb aber auch 17 Mal ungeschlagen (neun Siege). Viele Zahlen, ein Ergebnis: 96 - Eintracht 2:1

In Leverkusen beobachtet man die Entwicklung in Mainz immer sehr genau. Sobald ein Nationalspieler bei 05 reif ist, wechselt er an den Rhein (Friedrich, Schürrle). Wo er sich dann zumeist nicht mehr weiterentwickelt. Vielleicht hätte man doch die 25 Millionen aus Chelsea nehmen sollen? Ach, wenn es doch immer so einfach wäre. Von sechs Partien gegen Mainz gewann Bayer 04 drei, verlor aber auch zwei. Preisfrage: Wie ging das sechste Spiel aus? Bayer 04 - Mainz 05 2:2

Felix Magath ist nicht Wolfsburg. Zumindest nicht ganz. Stimmte die Gleichung, dann wäre der SC Freiburg sein Lieblingsgegner: 15 Siege und damit so viele wie gegen keinen anderen Gegner holte der Trainer Magath. Dem VfL gelangen aber nur vier - bei neun Versuchen (zwei Niederlagen). Aber Fußball findet ja nicht im Konjunktiv statt. VfL - SC 0:1

Die Mutter aller Derbys. Hach. Hochrisikospiel. Tja. Und überhaupt: Dortmund gegen Schalke. Aus der Statistik wissen wir, dass Christian Fuchs noch nie gegen Dortmund gewann (zwei Unentschieden, fünf Niederlagen). Und dass Jefferson Farfan gegen keinen anderen Keeper lieber trifft als gegen Roman Weidenfeller. Wir wissen auch, dass Jürgen Klopp als heimlicher Gewinner aus der Länderspielwoche hervorging, weil die deutsche Nationalmannschaft ohne Hummels und Schmelzer erst recht ein Defensivproblem hat. Was wissen wir sonst? Die Bilanz: 18-12-10. So. BVB - Schalke 4:4

Wenn Borussia Mönchengladbach bei Werder Bremen antritt, dann ist das eigentlich reine Zeitverschwendung. 38 von 43 Spielen konnte die Borussia an der Weser nicht gewinnen, 25 gingen direkt in die Buchse. Nur Mike Hanke spielt gern gegen Werder. Gegen keinen anderen Klub schoss er fünf Tore. Dumm nur, dass Mike Hanke zuletzt zweimal gar nicht erst im Kader war. Die Borussia sucht sich selbst. Werder auch. Wer wird fündig? Werder - Borussia 1:1

Fünfmal in Folge hat Dieter Hecking als Trainer des 1. FC Nürnberg noch nie verloren. Wie auch? Normalerweise wird man dann ja entlassen. Aber der Club auf gutem Weg: Die letzten vier Spiele wurden schon vergeigt. Und jetzt kommt Augsburg. Die Bilanz der Clubberer gegen die Schwaben ist makellos: 1-0-0. FCN - FCA 0:1

Wenn der VfB Stuttgart zum HSV reist, ist das eigentlich reine Zeitverschwendung. 38 von 47 Spielen wurden nicht gewonnen, 28 haben die Schwaben direkt versemmelt. Andererseits hat Rafael van der Vaart gegen keinen anderen Klub so oft verloren wie gegen Stuttgart. Außerdem: Bruno Labbadia hat mit seiner Wutrede alle geweckt ("Wie der letzte Depp!"). Wer will da widersprechen? HSV - VfB 0:2

Mittwoch, 10. Oktober 2012

Immer wieder BVB

Die Heimstätte des
deutschen Dauermeisters.


(Foto (c): Thomas Ottensmann)
(teo) Glückwunsch nach Dortmund. Zum dritten Meistertitel in Folge. Schade, dass die Spannung schon wieder nach dem 7. Spieltag raus ist. Aber so ist das Gesetz der Serie. Haben wir am Samstag in der Sportschau gelernt. Meister wird wieder der BVB. Weil die Bayern zum siebten Mal in Folge gewannen. Da muss man auch erst mal drauf kommen. 

In den Spielzeiten 1995/96, 2001/2002 sowie 2010/2011 gewannen die Bayern, Kaiserslautern und Mainz jeweils ebenso oft, doch den Titel holte jeweils Dortmund. Was bedeutet das also für die Saison 2012/2013? Tja. Die Bayern müssen am achten Spieltag übrigens in Düsseldorf antreten. 

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Boccia im Entmüdungsbecken

(teo) Vor dem 7. Spieltag der Fußball-Bundesliga geht unser Blick nach Südfrankreich, wo auf dem Boule-Platz von Les Salles am Lac de Sainte-Croix alte Männer mit Schiebermützen ihre Kugeln werfen. Stundenlang. Sie wirken fit, drahtig, austrainiert. Sie haben Mats Hummels in Manchester vom Platz humpeln sehen. Und kämen gar nicht auf die Idee, dass er eine Bereicherung ihres Spiels sein könnte. Umgekehrt wird ein Schuh daraus: "Derzeit könnte ich nicht einmal Boccia spielen", sagte Hummels 1200 Kilometer vom See in der Provence entfernt zu seinem Gesundheitszustand. Dazu müsste er schließlich fit, drahtig und austrainiert sein. Ob er das schon am Sonntag in Hannover wieder sein wird, ist unsicher. Vielleicht bis dahin einfach mal ne ruhige Kugel schieben?

Aber nicht im Entmüdungsbecken.

(Foto (c): Thomas Ottensmann)
Für das Freitagabendspiel der Bundesliga kommen durch die sieben Reisegruppen, die sich ständig in Europa rumtreiben, nur noch elf Mannschaften in Frage. Das Würfellos fiel diesmal auf Augsburg und Bremen. Werder ist froh, dass man das Spiel gegen die Bayern schon hinter sich hat. Die Männer aus der Puppenkiste stellen die einzige Mannschaft, die noch ohne Sieg durch die Liga geht. FCA - Werder 0:1

Der VfL Wolfsburg verfügt mit seinem etwa 67-mal teureren Kader über exakt dasselbe Torverhältnis wie Augsburg und Fürth (2:10), hat aber durch den Sieg in Stuttgart drei Punkte mehr auf dem Konto. VW weiß also theoretisch, wie es geht. Könnte vor dem Spiel auf Schalke hilfreich sein. Oder auch nicht. In Gelsenkirchen freuen sie sich jedenfalls immer, wenn Magath kommt. Und Felix Magath tut auch so, als sei es jedes Mal ein großer Spaß, in der Arena mal wieder nach dem einen oder anderen Schützling von früher zu gucken. Aber das geht ihm ja in fast jedem Stadion so. Schalke ohne Draxler, der nach seinem Speichenbruch vier Wochen nicht auf's Fahrrad darf. S04 - Wolfsburg 3:0

Bei den Bayern scheint sich die erste Investition auszuzahlen. Matthias Sammer warnte ja nach der Siegesserie vor zu großer Zufriedenheit, vor den vielen Schulterklopfern und forderte Konzentration, Konzentration, Konzentration. Hat in Weißrussland funktioniert. 62 Prozent Ballbesitz! Das geht ja nur konzentriert. Dieser Fuchs! Jetzt also wieder mahnen und warnen, denn es kommt der alte Rivale aus Hoffenheim. Hoeneß und Hopp schunkeln auf der Tribüne, unten auf dem Rasen wird sich die Mannschaft an die Worte des Managers halten. Oder an die des Trainers. Oder beides. Geht das überhaupt? Bayern - 1899 4:0

Christian Streich musste erstaunlicherweise bislang keine Geldstrafe wegen seines Gesichts berappen. Angeblich ermittelt der DFB aber jetzt wegen seines Dialekts. Das sympathischste Rumpelstilzchen seit Aleksandar Ristic soll gesagt haben: Für meine Zunge kann ich nix. Hat er auch wieder recht. Wo waren wir? Fußball? Ach so: Freiburg erwartet Nürnberg. Die Clubberer vergeigten die letzten drei Spiele in Serie, liegen zwei Punkte vor dem SC. Freiburg will den Zungensch..., ähem Befreiungsschlag. SCF - FCN 1:2

Thomas Tuchel hat sich längst wieder eingekriegt. 2:0 in Wolfsburg, hui! Aber der Konzepttrainer hätte ja keins, dächte er nicht von Spiel zu Spiel. Jetzt also: Mainz 05 gegen Fortuna Düsseldorf. Ungeschlagener Aufsteiger mit Euphoriebonus. Sechs Tore in sechs Spielen, zehn Punkte. Effektive Truppe, die da in der Arena antritt, die da auf den poetischen Name Coface hört. 05 - Fortuna 0:0

Der HSV ist wieder wer. 125 Jahre alt. Hah! Der Dino zieht also seine Rollkoffer am Samstag in die Trolli-Arena nach Fürth. Wo es in der Halbzeit keinen Pausentee, sondern Fruchtgummi gibt. Torsten Fink ist zuversichtlich, warnt aber. Aufsteiger mit Euphoriebonus. Wirkte zwar zuletzt nicht so, hört sich aber immer gut an. Mike Büskens will endlich das dritte Bundesligator. Es wäre eine Premiere. Wie die fünfte Bundesliga-Niederlage auch. Fürth - HSV 1:2

Ohne Topspiel am Samstagabend gucken wir mal auf den Spieltag der erschöpften Männer am Sonntag. Borussia Mönchengladbach erwartet den Tabellenzweiten Eintracht Frankfurt. Knifflige Sache. Ungeschlagener Aufsteiger mit Euphoriebonus. Die Fohlenelf will das Spiel in Dortmund vergessen. Konnte man ja auch. Niemand weiß, wo die Borussia steht. Wir helfen: Sechs Spiele, sechs Punkte, Platz 13. Borussia - Eintracht 0:3

Mit Sondergenehmigung des DFB dürfen Europa-League-Teilnehmer sonntags neuerdings gegeneinander im Entmüdungsbecken antreten. Aber nur wenn beide unter der Woche nach Norwegen reisen. Passt. Der VfB Stuttgart erwartet Bayer Leverkusen. Leverkusen nur einen Punkt hinter Dortmund recht ordentlich gestartet. Stuttgart nicht. Der VfB liegt nur einen Punkt vor Fürth, wittert aber nach dem Sieg in Nürnberg Morgenluft. Das Spiel wird trotzdem erst um 17Uhr30 angepfiffen. VfB - Bayer 04 1:1

In Hannover soll am Sonntagnachmittag ein Härtetest darüber entscheiden, ob Mats Hummels im Duell des BVB beim Tabellennachbarn Hannover 96 antreten kann. Der Abwehrrecke wird eine Partie Boccia gegen Torwarttrainer Teddy de Beer spielen. 96 ohne Andreasen und Nikci, dafür aber wieder mit vier gleichstarken Mittelstürmern und einem Huszti. Der BVB mit Reus. Stich! 96 - BVB 2:2

Montag, 1. Oktober 2012

Nach der Krise ist vor der Krise

Nach der Krise ist vor der Krise.

(Foto (c) Thomas Ottensmann)
(teo) Nach dem 6. Spieltag der Fußball-Bundesliga rückte der Fußball in den Hintergrund. Nach dem schweren Autounfall von Hoffenheims Boris Vukcevic gab es nicht nur am Rande des 0:0 von 1899 gegen Augsburg Solidaritätsbekundungen allerorten. Auch von dieser Stelle wünschen wir gute Besserung und schließen uns dem beeindruckendsten Transparent aus Sinsheim an: "Diesen Zweikampf gewinnst Du, Boris!". 

Was bleibt von diesem Spieltag, der war? Die Erkenntnis, dass nach der Krise immer auch vor der Krise ist - und umgekehrt. Während der HSV und Hoffenheim sich mit diversen Punkten aus der Englischen Woche vom Tabellenende hievten, rutscht Borussia Mönchengladbach nach der 0:5-Klatsche in Dortmund immer tiefer in den Keller. Geld verhindert eben keine Tore. 

Zum neuen Borussia Mönchengladbach avanciert in dieser Saison Eintracht Frankfurt, das als einziges Team neben den Bayern und Mitaufsteiger Fortuna Düsseldorf als Tabellenzweiter weiterhin ungeschlagen ist. Neben Gladbach ist auch Nürnberg auf einem steil absteigenden Ast. Drei Niederlagen hintereinander lassen die Franken immer weiter abrutschen. Ein besonderer Husarenstreich gelang hingegen Mainz 05: Thomas Tuchel gewann bei seinem persönlichen Meisterschaftsanwärter VW Wolfsburg.