Freitag, 2. Juli 2010

Angriff ist die beste Verteidigung

(teo) Holland im Halbfinale. Glückwunsch. Völlig verdient. Brasilien hat sich verzockt, versäumt in der - zugegeben - starken ersten Halbzeit das zweite oder gar dritte Tor nachzulegen. Die vielen versteckten, taktischen und zum Teil hinterhältigen Fouls aber hat eine so spielstarke Mannschaft gar nicht nötig. Joga Bonito, den schönen Fußball, hatte der Coach der Selecao nicht im Hut. Hielt der in Stuttgart fußballerisch sozialisierte Trainer Carlos Dunga auch gar nicht für nötig. 

Fußball habe nicht in erster Linie schön zu sein, sondern erfolgreich. Das sieht man rund um den Zuckerhut anders. Und dahin reist der Topfavorit des Turniers jetzt heim. Wird kein schöner Empfang werden. "Totaalvoetbol" spielt Holland auch schon lange nicht mehr. Der Trainer Bert van Marwijk gehört nicht gerade zu den Spaßvögeln der Zunft. Er hat Holland den Cruyffschen Fußball auch gründlich ausgetrieben. Spielte nüchtern, ergebnisorientiert - und erfolgreich. Doch manchmal bricht sich der Spaß Raum, blitzt Spielfreude durch die stehende Null. Vor allem, wenn sie nicht mehr steht. 

Holland spielte 45 Minuten alles oder nichts. Angemessen für ein Viertelfinale bei der WM. Aber nur weil sie mussten, weil sie nach einem haarsträubenden Fehler mit 0:1 ins Hintertreffen geraten waren. Und siehe da: Offensivfußball, teilweise sogar begeisternder Prägung, kann erfolgreich sein. 2:1-Sieg gegen den Rekordweltmeister, Halbfinale. Banale Metarmorphose der Weisweilerschen Erkenntnis "Angriff ist die beste Verteidigung". Und ein schönes Motto für Jogis Jungs im Viertelfinale gegen Argentinien.

(Foto gefunden auf und verlionkt mit: heinz-michael-klein.de/)

Mist, Diego kann Gedanken lesen

(hai) Habe ja immer schon - also seit ein paar Tagen - gesagt, dass mir Argentinien hinten besser gefällt als vorne. Und dass die Hauptchance der deutschen Elf im Viertelfinale gegen Argentinien im Faktor Demichelis begründet liegt. Und dachte, dass ich diesen superschlauen Gedanken ja exklusiv habe, zumindest exklusiv neben Joachim, Hansi, Andy, Olli, Harald und Urs und dass Maradona ja so große Stücke auf den überzeugten Pferdeschwanzträger hält, dass er ihn wieder zu den Säulen seiner Vierkette macht, gerade gegen Deutschland, dessen Stürmer der Verteidiger des FC Bayern ja so gut kennt, wie kein anderer Abwehrrecke der Gauchos. Doch weit gefahlt. Es hat Diego irgendwer gesteckt, war wohl sowas wie der Wickie-Effekt: sueddeutsche.de/sport/wm-comic/

(Screenshot des WM-Comic der Süddeutschen Zeitung vom 2.Juli 2010: Hacky Wimmer)

Donnerstag, 1. Juli 2010

Nie wieder ohne Fußball, bitte!

(tobi) Schön war das nicht die letzten Tage - also jetzt weniger meterologisch, sondern psychisch - eher was für Tennissockenträger und Radlerbuchsenfreunde. Wo zum Teufel war der Fußball? Wie schnell man sich doch an Vuvuzela und Co. gewöhnt... Erst geht das Gemecker und Gezeter los. Es ist zu laut, zu schrill, einfach nervig. Und jetzt? Was gäben wir doch für ein bisschen gevuvuzelala! Ist immer besser als schrille, übergewichtige Frauen in den letzten Bastionen deutscher Talkshowkunst ertragen zu müssen. Und Big Brother will auch keiner sehen und schon gar keine Kochsendungen, geschweige denn Realitysoap-Dokus. Gebt uns den Ball zurück, sofort, mit ALLES! Mit Günter Netzer, mit Katrin Müller-Hohenstein, mit Franzis Südafrika, mit Schiedsrichterfehlentscheidungen und - wenn es keine Mühe macht - auch mit den Franzosen! Liebe Leute von der FIFA, tut uns den Gefallen! Ich halte es nicht mehr aus...

(Foto gefunden auf und verlinkt mit: prepolino.ch)

Philosophen in kurzen Hosen XXIX

"Sie kamen singend und tanzend aus dem Bus gestiegen und sind tretend und schlagend vom Platz gegangen."

(Jens Lehmann zum Viertelfinalspiel gegen Argentinien bei der Fußball-WM 2006 in Deutschland, das als "Ich-hol-mal-eben-meinen-Spickzettel-aus-dem-Stutzen-und halte-dann-locker-den-Elfer-Spiel in die Geschichte des Sommermärchens einging und mit einer veritablen Rudelbildung und imposanten Raufereien mit Tätlichkeiten en masse endete.)
(Panini-Bild Jens Lehmann gefunden auf und verlinkt mit: agenturmogul.de/